Stadtrat beschließt: Mehr Unterstützung für Geschlechter-Vielfalt an Leipziger Schulen

Leipzig - Männlich, weiblich, divers: Spätestens seit einem Bundestags-Entschluss im Jahr 2018 wurde auch auf offizieller Ebene anerkannt, dass es in Deutschland mehr als nur zwei Geschlechter gibt. Vor allem in Schulen wird diese Erkenntnis noch nicht genug gelebt, wie das Jugendparlament Leipzig kritisierte - in der Ratssitzung am Mittwoch wurde die Thematik heiß diskutiert.

Am Mittwoch tagte der Leipziger Stadtrat und besprach unter anderem einen Antrag des Jugendparlaments zum Thema Geschlechtervielfalt an Leipziger Schulen.
Am Mittwoch tagte der Leipziger Stadtrat und besprach unter anderem einen Antrag des Jugendparlaments zum Thema Geschlechtervielfalt an Leipziger Schulen.  © Wolfgang Zeyen

"Die Gleichberechtigung aller Geschlechter ist immer noch eine Herausforderung, vor allem an Schulen", trug Parlaments-Vertreterin Tanja Werner am Mittwoch vor den Leipziger Stadträten und Stadträtinnen vor.

Deshalb wolle man die Stadtverwaltung gemeinsam mit Experten und Expertinnen mit der Ausarbeitung eines integrativen Konzeptes beauftragen, das alle Aspekte des schulischen Lebens beinhaltet.

Dazu gehören beispielsweise die Nutzung von Toiletten für Kinder und Jugendliche, die sich nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuordnen können oder das Ausfüllen von Formularen mit Angaben zur Geschlechtsidentität. Auch über räumliche Rückzugsmöglichkeiten für Schüler und Schülerinnen während der Schulzeit soll nachgedacht werden. Ein entsprechendes Pilotprojekt soll schnellstmöglich in Auftrag gegeben werden.

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Änderungswünsche am Antrag gab es seitens der SPD und der CDU. Stadträtin Sabine Heymann etwa warf ein, dass zunächst geprüft werden müsse, welcher Handlungsbedarf insgesamt bestünde. Schließlich spräche man in Hinblick auf intersexuelle Menschen gerade mal von 0,2 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Nach Debatte zur Geschlechtervielfalt: Leipziger OB hisst Regenbogenflagge vor Rathaus

Am Mittwochnachmittag hisste Leipzigs OB Burkhard Jung (63, SPD) die Regenbogenflagge vor dem Leipziger Rathaus - ein Symbol der Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt von Lebensformen.
Am Mittwochnachmittag hisste Leipzigs OB Burkhard Jung (63, SPD) die Regenbogenflagge vor dem Leipziger Rathaus - ein Symbol der Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt von Lebensformen.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Laut den Grünen sei zu berücksichtigen, dass mit dem Konzept nicht nur Belange von intersexuellen Menschen, sondern auch transidenten oder nicht-binären Kindern und Jugendlichen berücksichtigt werden müssen.

Stadtrat Karl-Heinz Obser von der AfD forderte mittendrin einen Abbruch der gesamten Debatten. "Warum bleiben wir nicht einfach alle das, was wir nicht sind und beenden diese unsägliche Diskussion?", fragte er und bekam prompt einen Konter von Stadträtin Ute Köhler-Siegel.

"Nur weil Sie die Augen davor verschließen, gibt es trotzdem solche Menschen, und wir haben die Aufgabe, sie zu schützen. Das Pilotprojekt soll schnellstmöglich in die Wege geleitet werden", so die SPD-Stadträtin.

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Mehrstimmig beschloss der Stadtrat dann schließlich den Vorschlag des Jugendparlaments. Ein starkes Statement folgte: Nur wenige Minuten nach der Debatte hisste Bürgermeister Burkhard Jung (SPD, 63) die Regenbogen-Flagge vor dem Leipziger Rathaus - eine Reaktion auf die Entscheidung der UEFA, laut der das Stadion in München beim EM-Spiel gegen Ungarn nicht in den Regenbogenfarben leuchten durfte.

"Die Welt ist bunt", sagte Leipzigs Oberbürgermeister Jung. Die Fahne sei gedacht "als Zeichen der Verbundenheit, gegen Diskriminierung, als Zeichen, dass wir jeden in seiner Sexualität und seinem Sein so annehmen können, wie er ist", so der OB.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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