Vereinbarkeit von Kindern, Beruf und Ehrenamt: Wie familienfreundlich ist das Rathaus?

Leipzig - Familie, Beruf und weitere Aktivitäten unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach - davon kann wohl jedes Elternteil ein Lied singen. Im Leipziger Stadtrat hat diese Problematik jüngst zum wiederholten Male zum Ausscheiden einer Kommunalpolitikerin geführt, was eine wichtige Debatte nach sich zog.

Die Ratssitzung finden stets nachmittags statt und dauern bis spät in den Abend an - nicht gerade optimal für Stadträte mit kleinen Kindern.
Die Ratssitzung finden stets nachmittags statt und dauern bis spät in den Abend an - nicht gerade optimal für Stadträte mit kleinen Kindern.  © Peter Endig/dpa

Am Mittwoch hat die Partei Bündnis 90/Die Grünen am Rande der Ratssitzung Stadträtin Sophia Kraft verabschiedet - sie konnte ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Rathaus nicht mehr mit der Betreuung ihrer beiden Kindern und ihrer beruflichen Tätigkeit vereinbaren.

Anlässlich der Mandatsniederlegung wurde anschließend auf Initiative der Fraktionen von Grünen, Linken, Freibeuter und SPD im Stadtrat debattiert, wie man die Ratssitzung familienfreundlicher gestalten könnte.

Weitere Verluste von vor allem jungen Müttern im Kreis der Stadträte könnten nämlich schwere Folgen haben.

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"Es geht um die Demokratie. Sonst sitzen hier bald nur noch Menschen, die es sich zeitlich und finanziell leisten können, für ein Ehrenamt beruflich kürzerzutreten, damit am Ende auch noch Zeit für die Familie bleibt", so Krafts Kollege, Grünen-Stadtrat Tobias Peter.

Bis Ende September soll die Stadtverwaltung deshalb ein Konzept zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit in der Ratsarbeit erarbeiten und vor allem überlegen, inwieweit man die Sitzungsdauer- und Tageszeit oder eine anteilige Erstattung der Kosten für eine Betreuung von kleinen Kindern oder pflegenden Angehörigen während der Sitzungen anpassen könne.

Auch soll geprüft werden, ob das Rathaus um einen "Kleinkindbereich" mit Wickeltisch und Möglichkeiten zum Stillen erweitert werden kann.

Titelfoto: Peter Endig/dpa

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