Sächsische Abrissfirma kommt Sonntagfrüh: Tickende Zeitbombe fällt!

Von Anke Brod

Taucha - Sonntagmorgen in Taucha. Auf dem Marktplatz der Kleinstadt im Landkreis Nordsachsen herrscht himmlische Ruh. Plötzlich aber durchtrennt um "Schlag neun" das schrille Kreischen einer Motorsäge jene Stille: Eine Betonsäule ist hier akut so stark einsturzgefährdet, dass sie zu dieser unchristlichen Zeit abgerissen wird!

Mitarbeiter eines Abrissunternehmens rückten am gestrigen Sonntagmorgen in Taucha an...
Mitarbeiter eines Abrissunternehmens rückten am gestrigen Sonntagmorgen in Taucha an...  © Anke Brod

Noch Freitagmittag hatten die Verantwortlichen der Tauchaer Verwaltung alles darangesetzt, um auf die Schnelle ein Abbruchunternehmen zu organisieren, möglichst zum Wochenende.

Die Mannen traten schließlich direkt Sonntagmorgen an und zerlegten die alte, rund fünf Meter hohe Säule Stück für Stück. Ein Mitarbeiter der Firma demonstrierte TAG24 vor Ort eindrucksvoll, wie löchrig sie inzwischen geworden war.

Eine tickende Zeitbombe! Wahrscheinlich wurde die marode "Bausubstanz" über die Jahre hinweg nur noch durch einen kräftigen Rankbewuchs gehalten...

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Wie Spaziergänger berichteten, hatten sich Marktbesucher im Sommer bisweilen auf den Sockel der Säule gehockt, um im Schatten der Blätter Energie aufzutanken.

Aber auch die Leipziger Straße mündet hier in Höhe des ehemaligen Amtsgerichts in den Markt, die Fahrbahn führt also unmittelbar an dem gefährlichen Corpus Delicti mit Erschütterungen durch Autos vorbei.

Risse im Beton sorgten für wackeligen Stand

... und entfernten die marode Säule, die zur Gefahr hätte werden können.
... und entfernten die marode Säule, die zur Gefahr hätte werden können.  © Anke Brod

Wie die Stadt Taucha informierte, hätten Risse und Witterungsschäden nunmehr zu einer fehlenden Standsicherheit geführt. In Verbindung mit einer Schieflage herrschte Gefahr im Verzug.

Eine Reparatur sei nicht oder nur mit hohem finanziellen Aufwand verbunden, hieß es weiter. Die Säule stehe nicht auf der Denkmalliste.

"Unverzüglicher Handlungsbedarf wurde durch einen Tragwerksplaner dringendst empfohlen", lautete somit das Ergebnis einer vorherigen fachlichen Inaugenscheinnahme.

"Ob wieder eine Säule errichtet wird, ist noch nicht entschieden", meinte die Verwaltung.

Einst war die Säule ein Kandelaber

Ob es eine neue Säule geben wird, ist noch nicht entschieden.
Ob es eine neue Säule geben wird, ist noch nicht entschieden.  © Anke Brod

Der Historiker Jürgen Ullrich erläuterte: "Das Säulenfragment war früher einmal ein Kandelaber, eine Art Straßenlaterne mit vier Einzellampen, die nach unten zeigten."

Er wies darauf hin, dass er nicht mit dem Friedenskandelaber – damals ebenfalls auf dem Markt zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 vertreten – zu verwechseln sei.

Um den Kandelaber, dessen Mast nun abgerissen wurde, hätte sich seinerzeit ein Wasserspiel als Speier mit einem Wasserbecken befunden. "Das wurde bereits 1964 wegen Undichte stillgelegt", so Ullrich.

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Die Neugestaltung des Tauchaer Marktplatzes wird in der Stadt seit 30 Jahren immer wieder thematisiert – doch werde die Fläche laut einiger Bürger dringend zum Parken benötigt.

Titelfoto: Anke Brod

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