Schaulustige verfolgen "Manöver" im Schneckentempo: Ein Koloss zieht um

Groitzsch - So etwas sieht man auch nicht alle Tage! Am Tagebau Schleenhain kroch am gestrigen Samstagmorgen ein kolossaler Schaufelradbagger über die B176 bei Groitzsch. Der Umzug des Tagebau-Riesen auf das benachbarte Abbaufeld bot gut 100 Schaulustigen ein ganz besonderes Spektakel. Doch die brauchten Geduld und einen langen Atem - der DDR-Gigant ist nicht unbedingt der Schnellste.

Dass so ein Gigant mal die Bundesstraße überquert, passiert nicht alle Tage. Dutzende Schaulustige kamen Samstagmorgen zum Tagebau, um das Spektakel zu begleiten.
Dass so ein Gigant mal die Bundesstraße überquert, passiert nicht alle Tage. Dutzende Schaulustige kamen Samstagmorgen zum Tagebau, um das Spektakel zu begleiten.  © Eric Münch

Gut 4000 Tonnen Erdmasse lagen am Abbaufeld Schleenhain für den Transport bereit.

"Auf der Straße wird eine 80 Zentimeter hohe und 14 Meter breite schützende Erd- und Sandschicht mit Planierraupen geschaufelt, über die der Bagger dann sicher gelenkt werden kann", erklärte Maik Simon (59), Sprecher der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft (Mibrag).

Immerhin wiegt das Gerät gut 345 Tonnen. Die Präparation der Strecke dauerte dann gestern früh auch gut zwei Stunden länger als gedacht.

"Hier wird heute unter widrigen Bedingungen gearbeitet", stellte Simon fest. Das Tauwetter der vergangenen Tage hatte die Erde komplett aufgeweicht, weshalb es deutlich schwieriger war, die Erdmassen zu schaufeln.

Der Schaufelradbagger "SRs 320" kann mit seinem sechseinhalb Meter großen Schaufelrad, das mit elf Schaufeln bestückt ist, pro Stunde etwa 2300 Kubikmeter Braunkohle fördern.

345 Tonnen wiegt der Schaufelradbagger. Nun musste der Riese umziehen.
345 Tonnen wiegt der Schaufelradbagger. Nun musste der Riese umziehen.  © Eric Münch
Drei Kraftfahrer fuhren den Bagger zur nächstgelegenen Abbaufeld.
Drei Kraftfahrer fuhren den Bagger zur nächstgelegenen Abbaufeld.  © Eric Münch
Maik Simon (59) ist Sprecher des Energiekonzerns Mibrag.
Maik Simon (59) ist Sprecher des Energiekonzerns Mibrag.  © Eric Münch

"Zählt er nicht gerade zu den Sprintern": Umzug mit 0,4 km/h

Planierraupen verteilten gut 4000 Tonnen Erdgemisch, um die Straße vor dem enormen Gewicht des Baggers zu schützen.
Planierraupen verteilten gut 4000 Tonnen Erdgemisch, um die Straße vor dem enormen Gewicht des Baggers zu schützen.  © Eric Münch

Die Zuschauer und Bagger-Enthusiasten, die bei einsetzendem Nieselregen teils zwei Stunden in der Kälte verharrten, wurden schließlich belohnt. Kurz vor 11 Uhr klickten die Smartphones und Kameras nur so, was das Zeug hielt. Das Ungetüm setzte sich in Bewegung.

Allerdings gaaanz langsam: Der Tagebau-Bagger, der von drei Bergleuten bedient wird, legt mit seinen 0,4 km/h Geschwindigkeit gerade einmal drei bis sechs Meter pro Minute zurück. "Damit zählt er nicht gerade zu den Sprintern", so Maik Simon gestern. Bis zum Ende des Tages hatte er noch 7,5 Kilometer bis zu seinem neuen Zuhause zurückzulegen.

Die Schwerbaumaschine wurde 1987 in Magdeburg-Buckau montiert und war bislang im Abbaufeld Schleenhain im Einsatz.

Das 12,5 Meter hohe, 43 Meter lange und 12 Meter breite Gerät wird in den kommenden zwei Wochen im benachbarten Abbaufeld Peres bei der Kohleförderung unterstützen.

Bis Ende 2026 soll das Abbaufeld Schleenhain abgekohlt sein. Bis Ende 2027 soll noch ein weiterer Koloss nach Peres versetzt werden, ein Bagger bleibt in Schleenhain und soll dort verschrottet werden.

Die B176 musste bis heute 24 Stunden gesperrt werden, um den Giganten über die Straße zu hieven und schließlich alle Spuren des Manövers zu beseitigen.

Noch lagern Millionen Tonnen Kohle in Sachsen

Neben Revieren in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg gehören das Lausitzer und das Mitteldeutsche Braunkohlerevier zu den größten Braunkohleregionen Deutschlands.

Zwischen Elbe und Neiße lagern im Osten Deutschlands rund 13 Milliarden Tonnen Braunkohle. Der größere Anteil davon befindet sich in den Lausitzer Abbaufeldern der Lausitz Energie Bergbau AG.

Die sächsischen Tagebauen Nochten und Reichwalde fördern ungefähr 27 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr, um das Kraftwerk Boxberg kontinuierlich zu versorgen. Im Tagebau Vereinigtes Schleenhain fördert die Mibrag jährlich zwischen 8 und 10 Millionen Tonnen Braunkohle im Jahr.

Spätestens 2038 soll die Braunkohleförderung in Deutschland enden.

Titelfoto: Eric Münch

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