Schneemassen auch vor 70 Jahren: Im Opel ohne Motor von Entbindung nach Hause!

Von Anke Brod

Leipzig - Der Winter 2021 hat es in sich. Zuletzt gab es ein vergleichbar imposantes Naturereignis in den Jahren 1978/79. Aber auch schon früher, so im Jahre 1950, hatten klirrende Kälte und Schneemassen das Leipziger Land fest im Griff. Der Liebertwolkwitzer Bürger Roland Geistert (70) berichtet über alte Zeiten.

Roland Geistert (70), Ortsvorsteher von Liebertwolkwitz, betreibt eine Autowerkstatt. Die ersten Erfahrungen mit reparaturbedürftigen Fahrzeugen machte er im zarten Alter von vier Tagen.
Roland Geistert (70), Ortsvorsteher von Liebertwolkwitz, betreibt eine Autowerkstatt. Die ersten Erfahrungen mit reparaturbedürftigen Fahrzeugen machte er im zarten Alter von vier Tagen.  © Anke Brod

"1950 am 27. Februar – meine besondere Geschichte – von Vater und Mutter in der Kindheit immer zum Geburtstag erzählt..."

Mit diesen Worten beginnt der 70-jährige Leipziger, seines Zeichens Ortsvorsteher und Inhaber einer Autowerkstatt, über einem wärmenden Kakao den gemütlichen Winterplausch mit TAG24.

Er fährt fort: "Am 3. März 1950, dem Tag der Entlassung meiner Mutter aus der damaligen Frauenklinik an der Philipp-Rosenthal-Straße, waren in Leipzig etwa 15 Zentimeter Schnee gefallen. Es fuhr keine Straßenbahn, auch Autoverkehr war kaum möglich."

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An jenem ereignisreichen Freudentag hätte sein Vater deshalb einen Taxifahrer aus Liebertwolkwitz gebeten, mit ihm seine Ehefrau und den da gerade mal vier Tage jungen Roland aus besagter Klinik abzuholen. Der Mann sei auch gleich dazu bereit gewesen.

Am Mittag des 3. März 1950 sei dessen "Taxi" schließlich daheim in Liebertwolkwitz vorgefahren.

"Taxi" ohne Motor wurde von Lastwagen gezogen

Ähnlich viel Schnee wie dieser Tage war auch im Jahr 1950 gefallen.
Ähnlich viel Schnee wie dieser Tage war auch im Jahr 1950 gefallen.  © Anke Brod

Schmunzelnd gibt Geistert die weitere, überaus abenteuerlich anmutende Überlieferung seiner Eltern wieder: "Was dann aber kam, war ein leichter Lkw, von einem Bauern aus dem Ort gefahren: Im Schlepptau an einem Seil ein Opel P4!"

Der Opel, das eigentliche Taxi, habe nämlich gar keinen Motor mehr gehabt, denn dieser hatte zuvor seinen Geist aufgegeben.

"Doch die Einnahme wollte sich der Taxifahrer demnach wohl nicht entgehen lassen", schildert Geistert das damalige Geschehen und sagt: "Und so wurde ich mit meiner Mutter in dem Komfortwagen Opel P4 tatsächlich nach Hause gefahren. Der Innenraum war dabei durch den fehlenden Motor natürlich kalt und der Fahrer musste immerfort die beschlagenen Scheiben abwischen!"

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Am Ende dieser netten, kleinen Schneestory verrät Geistert 'be-geistert': "Das Auto und der Winter haben mich wahrscheinlich geprägt. Ich habe eine Autowerkstatt und der Winter belebt bei uns natürlich auch gleich immer die Konjunktur..."

Titelfoto: Anke Brod

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