Burkhard Jung schlägt Alarm: Corona-Krise bedroht Sachsens Nahverkehr

Leipzig - Die Corona-Krise hat dramatische Folgen für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Davor warnt der Präsident des Städtetages, Leipzigs OB Burkhard Jung (62, SPD). In seiner eigenen Stadt hat das Virus bereits ein Prestigeprojekt gekippt.

Leipzigs OB Burkhard Jung (62, SPD) fürchtet um den ÖPNV in Sachsens Städten und warnt vor riesigen Verlusten.
Leipzigs OB Burkhard Jung (62, SPD) fürchtet um den ÖPNV in Sachsens Städten und warnt vor riesigen Verlusten.  © Sebastian Kahnert/dpa

Corona kann sich für Bus und Bahn zu einem großen Problem ausweiten, befürchtet Jung. "Dadurch, dass die öffentlichen Verkehrsbetriebe jetzt die Maskenpflicht haben und der Eindruck entsteht, man könne sich dort in besonderer Weise infizieren, kann eine Stigmatisierung entstehen." 

Und wenn Menschen erst einmal zu der Überzeugung gelangen, dass es gefährlich sei, Straßenbahn und Bus zu fahren, dann werde es nichts mit einer nachhaltigen Verkehrswende.

Der ÖPNV ist nach Jungs Auffassung "nicht gefährlicher, als sich irgendwo anders aufzuhalten". "Aber wir erleben, dass die Fahrgastzahlen wegbrechen, gleichzeitig die Ausgaben steigen und wir in eine Schieflage der Finanzierung kommen", warnt der Städtetags-Präsident.

Allein die Leipziger Verkehrsbetriebe werden laut Jung Ende des Jahres ein Defizit in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages haben. 

Seine Forderung nach Berlin: "Hier braucht es über die kommunale Verantwortung hinaus einen nationalen Rettungsschirm und eine Sympathie-Offensive für den Öffentlichen Nahverkehr."

Mit angelegtem Mundschutz steigen Fahrgäste in Leipzig aus der Straßenbahn. Seit Corona sind die Passagierzahlen eingebrochen.
Mit angelegtem Mundschutz steigen Fahrgäste in Leipzig aus der Straßenbahn. Seit Corona sind die Passagierzahlen eingebrochen.  © imago/Christian Grube
365 Euro - so viel sollte ab 2021 ein Jahresticket in Leipzig kosten. Das Projekt liegt jetzt auf Eis.
365 Euro - so viel sollte ab 2021 ein Jahresticket in Leipzig kosten. Das Projekt liegt jetzt auf Eis.  © imago / Steinach

Von einem ambitionierten Projekt musste sich Leipzig bereits verabschieden. Das 365-Euro-Ticket für Busse und Bahnen, das mit dem Fahrplan 2021 eingeführt werden sollte, ist bis auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Jung: "Zurzeit kann ich nicht sagen, wie wir das finanzieren sollen."

Titelfoto: imago/Christian Grube

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