Streik zum Amazon Prime Day! Darum legen Leipziger Beschäftigte Arbeit nieder

Leipzig - Wer in dieser Woche auf ein Päckchen von Amazon wartet, sollte wohl ein wenig Geduld haben. Seit dem frühen Dienstagmorgen befinden sich die Beschäftigten des Online-Versandhändlers in Leipzig im Streik.

Am frühen Dienstagmorgen hat ein großer Teil der Beschäftigten von Amazon in Leipzig die Arbeit niedergelegt. (Archivbild)
Am frühen Dienstagmorgen hat ein großer Teil der Beschäftigten von Amazon in Leipzig die Arbeit niedergelegt. (Archivbild)  © Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa

"Mit dem Streik am Prime Day wollen wir besonders deutlich machen, dass es Beschäftigte nicht zum Schnäppchenpreis gibt", so ver.di Streikleiter Thomas Schneider.

Die Mitarbeiter, die seit 6 Uhr streiken, würden seit Beginn der Corona-Pandemie Höchstleistungen zeigen. Dies geschehe oft ohne ausreichenden Schutz und es werde auch nicht zusätzlich entlohnt.

Schneider weiter: "Während Amazon-Chef Jeff Bezos Milliarden verdient, hat der Konzern die Zulage von zwei Euro pro Stunde, die den Beschäftigten im März gewährt wurde, Ende Mai wieder abgeschafft."

Voraussichtlich 400 Beschäftigte werden sich am heutigen und morgigen Prime Day am Streik beteiligen. Das macht etwa die Hälfte der Belegschaft aus. Daher werde es zu erheblichen Verzögerungen bei der Auslieferung kommen, heißt es weiter.

Streik beim Versandhändler auch in Hessen

Seit September wird bei Amazon, wie im vergangenen Jahr vereinbart, eine Einkommenserhöhung von 1,8 Prozent gezahlt.

"Allerdings wäre es auch problemlos machbar, dass die zusätzliche Erschwerniszulage von zwei Euro pro Stunde weiterhin gezahlt wird", so ver.di Fachbereichsleiter Jörg Lauenroth-Mago.

Noch immer seien die Bedingungen dramatisch: "Die Beschäftigten haben wahnsinnig viel zu tun, im Betrieb können die Schutzbestimmungen nicht eingehalten werden und Jeff Bezos zockt ab. Das nehmen die Beschäftigten nicht länger ohne Widerstand hin."

Auch an zwei Standorten in Bad Hersfeld in Hessen hatten die Beschäftigten am Morgen die Arbeit niedergelegt (TAG24 berichtete).

UPDATE, 11.15 Uhr:

Die Gewerkschaft fordert einen Tarifvertrag und besseren Gesundheitsschutz.
Die Gewerkschaft fordert einen Tarifvertrag und besseren Gesundheitsschutz.  © Tobias Junghannß

Wie Amazon inzwischen selbst vermeldete, sehe man keine Auswirkungen der Streiks auf die Pünktlichkeit bei Lieferungen, da der Großteil der Mitarbeiter dennoch ganz normal arbeite.

Der Online-Versandhändler biete "exzellente Löhne, exzellente Zusatzleistungen und exzellente Karrierechancen, in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung", heißt es in einem Statement des Unternehmens. Jeder habe die gleichen Möglichkeiten.

So liege der umgerechnete Einstiegsbasislohn je nach Standort zwischen 11,30 Euro und 12,70 Euro brutto. Nach 24 Monaten belaufe sich das Gesamtvergütungspaket im Durchschnitt auf monatlich rund 2.600 Euro brutto an allen deutschen Standorten.

"Unser Ziel wird es immer sein, in einem exzellenten Arbeitsumfeld durch Teamarbeit und den direkten Austausch mit den Mitarbeitern hervorragendes für Kunden zu schaffen", so das Unternehmen.

In der Logistik von Amazon in Deutschland sind rund 16.000 Menschen in Festanstellung in 15 Logistikzentren beschäftigt.

Titelfoto: Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Leipzig:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0