Studie der Uni Leipzig: Kirchliche Ostdeutsche sind seltener rechtsextrem

Leipzig/Bern - Wie hängt Religiosität mit Rechtsextremismus zusammen? Dieser Frage gingen jetzt Wissenschaftler der Universitäten Leipzig und Bern auf den Grund. Mit einer interessanten Erkenntnis: Gläubige Ostdeutsche sind seltener anfällig für rechtsextreme Einstellungen.

Rechtsextremisten gehen laut Studie wohl eher selten in die Kirche. (Symbolbild)
Rechtsextremisten gehen laut Studie wohl eher selten in die Kirche. (Symbolbild)  © Caroline Seidel/dpa

In der Studie wurde untersucht, "inwieweit verschiedene Formen von Religiosität rechtsextreme Einstellungen begünstigen oder eher verhindern", heißt es von der Universität Leipzig.

Das Ergebnis: Auch beim Rechtsextremismus ist Glaube nicht gleich Glaube und Religion nicht gleich Religion. Denn die Einstellungen unterscheiden sich bei Aberglaube und kirchlichem Glaube.

Das heißt konkret: Während in ganz Deutschland abergläubische Menschen häufiger rechtsextrem eingestellt sind, haben kirchliche Menschen in Ostdeutschland seltener eine rechtsextreme Gesinnung.

Die Studie habe gezeigt, "dass kirchlicher Glaube im Osten Deutschlands gegen Rechtsextremismus 'immunisieren' kann", so ein Sprecher der Uni Leipzig.

Weltoffenheit vs. Verschwörungstheorien

Die Studie zu Religiosität und Rechtsextremismus wurde von den Universitäten Leipzig und Bern durchgeführt. (Archivbild)
Die Studie zu Religiosität und Rechtsextremismus wurde von den Universitäten Leipzig und Bern durchgeführt. (Archivbild)  © Jan Woitas/ZB

Wer also häufig Gottesdienste besuche und sich an kirchlichen Aktivitäten beteilige, sei deutlich weniger anfällig für rechtsextreme Gesinnungen - denn die Kirche könne Weltoffenheit und Toleranz fördern.

Aberglaube sei jedoch im Osten und im Westen Deutschlands mit einer simplen Weltsicht und Fremdenfeindlichkeit verbunden.

"Der Glaube an Glücksbringer, Wahrsager, Horoskope und Wunderheiler geht häufig mit einer ethnozentrischen Sichtweise und rechtsextremen Einstellungen einher", sagt Alexander Yendell, vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig. 

Gemeinsam mit Stefan Huber, Leiter des Instituts für Empirische Religionsforschung an der Universität Bern, führte er die Studie durch.

Titelfoto: Caroline Seidel/dpa

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