Vier von fünf Bewohnern weg: Pödelwitz gerettet, aber leer

Leipzig - Was wird aus dem Dorf Pödelwitz im Leipziger Südraum? Nach der Rettung vor dem Braunkohletagebau ringt die 37-Seelen-Gemeinde um eine neue Zukunft. Aber das Dorf gleicht einer Geisterstadt.

Will die Wiederbesiedlung des Dorfes möglichst bald: Jens Hausner (55), Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz".
Will die Wiederbesiedlung des Dorfes möglichst bald: Jens Hausner (55), Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz".  © Holm Helis

Zukunftspläne gibt es genug. Jens Hausner (55), Sprecher der Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz", braucht nur seine Schublade aufzuziehen. "Ein Orgelzentrum, ein Dorfladen, verschiedene Wohnprojekte ..."

Seit Donnerstag hat sein Dorf ein existenzielles Problem weniger (TAG24 berichtete), aber dafür ein großes und viele kleinere Probleme mehr. Pödelwitz bleibt, aber 80 Prozent der Einwohner sind weg.

Die Hälfte der Gemeinde gehört dem Tagebaubetreiber Mibrag, die meisten Gehöfte stehen leer. Hausner wünscht sich eine Wiederbesiedlung. Je eher, desto besser.

Aber daran hat die Mibrag kein Interesse. Der Bergbaubetreiber will eine Neubewertung der Tagebaufolgelandschaft und erst dann entscheiden, wie mit den Grundstücken verfahren wird, heißt es.

Boomtown Leipzig ist nur knapp 20 Kilometer entfernt

Kein Dorf wie jedes andere. Nur ein paar Meter weg von Pödelwitz liegt die Tagebaukante – und in ein paar Jahren ein neuer See.
Kein Dorf wie jedes andere. Nur ein paar Meter weg von Pödelwitz liegt die Tagebaukante – und in ein paar Jahren ein neuer See.  © Holm Helis

Klartext spricht der Groitzscher Bürgermeister: "In ein paar Jahren zieht der Braunkohletagebau mit Lärm und Dreck an Pödelwitz vorbei. Die Dorfbewohner werden sich wehren", prophezeit Maik Kunze (54, CDU). Jetzt die Grundstücke zu verkaufen, bedeute, sich mehr Ärger ins Haus zu holen.

Oder spekuliert die Mibrag etwa? Denn in einigen Jahren werden die Grundstückspreise explodieren. Das Tagebaurestloch wird geflutet, ein See entsteht. Wohnen auf dem Land, die Boomtown Leipzig in kaum zwanzig Kilometer Entfernung. Das kostet.

Aber eine exklusive Schlafstadt würde die Dorfgemeinschaft sprengen. Jens Hausner appelliert deshalb an die Politik: "Der Freistaat will den Strukturwandel in den Braunkohlerevieren. Wir haben hier die Chance, vieles in die richtige Richtung zu lenken."

Deshalb soll die Mibrag nicht allein entscheiden, sondern alle an einen Tisch. Und zur Not: "Man kann Eigentümer auch enteignen, wenn das Gemeinwohl gefährdet ist."

Titelfoto: Holm Helis

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