Zentrale Anlaufstelle für Ukraine-Flüchtlinge in Sachsen ausgelastet

Leipzig - In Sachsen kommen immer mehr geflüchtete Menschen aus der Ukraine an. Die zentrale Anlaufstelle in Leipzig ist schon ausgelastet. Für die Behörden gibt es darum in den nächsten Tagen ein großes Ziel.

Immer mehr Menschen sind in den vergangenen Tagen aus der Ukraine nach Sachsen gekommen. Die zentrale Anlaufstelle in Leipzig-Mockau ist bereits voll.
Immer mehr Menschen sind in den vergangenen Tagen aus der Ukraine nach Sachsen gekommen. Die zentrale Anlaufstelle in Leipzig-Mockau ist bereits voll.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Ljudmila Stepanenko aus Kiew steht in der noch schwachen Leipziger Märzsonne und erzählt auf Englisch, wie sich ihr Leben vor knapp zwei Wochen schlagartig geändert hat. "Am Morgen des 24. Februar begann das Bombardement", sagt die 42-Jährige. "Wenn du die Einschläge hörst, bist du wie erstarrt, du kannst dich nicht bewegen."

Zusammen mit ihrem 15-jährigen Sohn flüchtete sie in einem Transport, den die ukrainische Kirche organisiert hat. Am Vortag ist Stepanenko in der zentralen Anlaufstelle für Ukrainerinnen und Ukrainer in Leipzig angekommen – und sagt, sie sei dankbar für die Hilfe und Unterstützung.

Die Frau ist eine von Hunderten Geflüchteten, die in den hellgrauen Leichtbau-Häusern im Leipziger Stadtteil Mockau untergekommen sind. Sachsen versucht, alle ukrainischen Flüchtlinge zunächst in Leipzig zu bündeln.

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Dafür gebe es gute fachliche Gründe, sagt Regina Kraushaar (57), Präsidentin der Landesdirektion Sachsen, am Dienstag bei einem Besuch der Erstaufnahmeeinrichtung in Leipzig.

Alle 1300 Plätze in Erstaufnahmestelle in Leipzig-Mockau belegt

Einige Familien sind in Mockau untergekommen, andere werden im Landkreis Leipzig oder privat untergebracht.
Einige Familien sind in Mockau untergekommen, andere werden im Landkreis Leipzig oder privat untergebracht.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Allerdings seien die 1300 Plätze in Mockau schon nahezu vollständig belegt. "Es ist das Ziel, sehr schnell in den nächsten Tagen weitere Kapazitäten zu schaffen", sagt Kraushaar.

Die Behörden haben schon begonnen, Menschen in Rötha im Landkreis Leipzig unterzubringen. Dort stünden weitere 300 Plätze zur Verfügung. In Leipzig sollen zudem große winterfeste Zelte errichtet werden.

Die Lage sei sehr dynamisch, sagt die Chefin der Landesdirektion. Mit Stand Dienstagmorgen seien in Sachsen 1944 geflüchtete Menschen aus der Ukraine registriert worden. Wie viele zusätzlich privat untergekommen sind, wissen die Behörden noch nicht.

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Allerdings blieben manche nur kurz und reisten schon nach einer Nacht in andere Bundesländer weiter. "Wir sind durchaus auch Transitland", sagt Kraushaar.

In den grauen Häusern mit je 50 Schlafplätzen in Mockau sollen die Menschen nicht lange bleiben. Höchstens fünf Tage – das ist das Ziel der Landesdirektion. Dann sollen die geflüchteten Frauen, Männer und Kinder in Wohnungen oder Gemeinschaftsunterkünften in den Kommunen unterkommen.

Die Ukrainer haben einen vorläufigen Schutzstatus. Damit können sie sich in Deutschland frei bewegen, dürfen arbeiten und erhalten Krankenversorgung, wenn sie registriert sind, wie Kraushaar sagt.

Zahlreiche Spenden- und Hilfsangebote für geflüchtete Ukrainer

Ljudmila Stepanenko (42) ist glücklich und dankbar darüber, dass sie so viel Hilfe bekommt, hofft auf ein baldiges Kriegsende.
Ljudmila Stepanenko (42) ist glücklich und dankbar darüber, dass sie so viel Hilfe bekommt, hofft auf ein baldiges Kriegsende.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Teil der Erstaufnahmeeinrichtung in Mockau wird von den Johannitern betrieben, ein anderer vom Deutschen Roten Kreuz. Johanniter-Regionalvorständin Skadi Köhler berichtet, dass die Hilfsbereitschaft enorm sei.

Es gebe sehr viele Spendenangebote, auch Übersetzerinnen und Übersetzer meldeten sich und böten Hilfe an. "Das Engagement ist riesengroß in der Bevölkerung", sagt Köhler.

Ljudmila Stepanenko bedankt sich vor allem, dass Europa der Ukraine beistehe. "Ich möchte, dass dieser Krieg aufhört. Ich wünsche mir, dass mein Land gewinnt. Wir haben niemandem etwas Schlechtes getan. Wir wollen nicht, dass alles zerstört wird", sagt die 42-Jährige.

Sie wünscht sich eine freie und sichere Ukraine – in die sie dann mit ihrem Sohn zurückkehren will.

Originaltext vom 8. März 12.58 Uhr, aktualisiert um 15 Uhr

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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