AfD-Politiker Bayerbach als Bildungsausschuss-Vorsitzender abgesetzt!

München - Es ist ein bislang einmaliger Vorgang in der Geschichte des bayerischen Landtags: Der AfD-Abgeordnete Markus Bayerbach (59) ist als Vorsitzender des Bildungsausschusses abgewählt worden.

Der AfD-Abgeordnete Markus Bayerbach (59, r.) hatte sich im Dezember des vergangenen Jahres bereits schriftlich geäußert.
Der AfD-Abgeordnete Markus Bayerbach (59, r.) hatte sich im Dezember des vergangenen Jahres bereits schriftlich geäußert.  © Daniel Karmann/dpa

Ihm wird vorgeworfen, in einer Debatte um einen internen AfD-Chat mit teilweise radikalen Inhalten die Unwahrheit gesagt zu haben. Neun von elf anwesenden Ausschussmitgliedern stimmten am Donnerstag in einer geheimen Abstimmung für die Absetzung Bayerbachs, zwei votierten dagegen.

Damit war die entsprechend nötige Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht - jedoch stimmte mindestens ein Vertreter oder eine Vertreterin einer der anderen Fraktionen für Bayerbachs Verbleib im Amt.

Die Sitzungsleitung übernahm zunächst der Vize-Vorsitzende Tobias Gotthardt (44, Freie Wähler). Die AfD muss nun einen neuen Kandidaten als Vorsitzenden benennen, die Wahl könnte dann im Anschluss kommende Woche sein.

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Der Bayerische Rundfunk hatte Anfang Dezember aus teilweise radikalen Inhalten einer geschlossenen Telegram-Gruppe mit dem Namen "Alternative Nachrichtengruppe Bayern" zitiert.

Dort fielen unter anderem die Begriffe Umsturz, Revolution und Bürgerkrieg. Mit in der Gruppe waren dem Bericht zufolge große Teile der AfD-Fraktion, der bayerischen AfD-Bundestagsgruppe und des AfD-Landesvorstands.

Bayerbach hatte in einer Debatte im Bildungsausschuss damals erklärt, er sei nicht Mitglied der Gruppe. Daraufhin hielt ihm Matthias Fischbach (33, FDP) vor, nach BR-Recherchen habe es dort 458 Äußerungen Bayerbachs gegeben - der AfD-Politiker sage also die Unwahrheit. Dies mündete im Antrag auf Bayerbachs Absetzung als Ausschuss-Chef.

Absetzung von Markus Bayerbach: Novum in der Geschichte des Landtags in Bayern

Markus Bayerbach (59) ist als Vorsitzender des Bildungsausschusses in Bayern abgewählt worden.
Markus Bayerbach (59) ist als Vorsitzender des Bildungsausschusses in Bayern abgewählt worden.  © Daniel Karmann/dpa

Bayerbach erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme noch im Dezember, er habe nicht behauptet, niemals in dieser Gruppe gewesen zu sein, insofern treffe der entsprechende Vorwurf "jedenfalls nicht in vollem Umfang zu".

Er sei auf die damalige "Befragung" gänzlich unvorbereitet gewesen und habe deshalb auch seine ganzen Chats nicht gründlich genug überprüft. "Eine vorsätzliche Lüge war natürlich nicht beabsichtigt, bei öffentlicher Vorlage des Chats wäre dies ja auch vollkommen sinnbefreit gewesen", schrieb Bayerbach weiter.

Seine Aussage, "aktuell nicht mehr in dieser Gruppe zu sein", sei zwar seiner subjektiven Wahrnehmung nach richtig gewesen, habe aber der objektiven Wahrheit insofern nicht entsprochen, "als dass diese Chatgruppe lediglich stummgeschaltet und zu den archivierten Chats verschoben worden war".

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"Diesen Fehler muss ich mir anrechnen lassen und entschuldige mich auch ausdrücklich dafür", schrieb Bayerbach. Der Ausschussmehrheit reichten diese Erklärungen aber nicht aus. Der AfD steht der Vorsitz des Bildungsausschusses zu - das war nach der Landtagswahl 2018 das Ergebnis der Aufteilung zwischen den Fraktionen.

Unklar war aber am Donnerstag zunächst, wer als Ersatz für Bayerbach infrage kommen könnte: Neben Bayerbach gehört dem Ausschuss seitens der AfD nur die Abgeordnete Anne Cyron an - die aber mit im Zentrum der Chat-Affäre steht, und deren Rolle im Dezember auch Anlass für die Debatte im Bildungsausschuss war. Denkbar wäre, dass die AfD-Fraktion nun jemand anderen in den Bildungsausschuss entsendet, der dort als Vorsitzender antritt.

Die Absetzung eines Ausschussvorsitzenden ist ein Novum in der Geschichte des Landtags. Das Prozedere dafür ist zwar in der Geschäftsordnung geregelt - es wurde aber nach Auskunft des Landtagsamtes in der Vergangenheit noch nie angewandt. Bayerbach selbst kritisierte den Vorgang als "nicht geschäftsordnungsgemäß".

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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