Arabella Kiesbauer: "Rassismus wird mich mein Leben lang begleiten"

München/Wien - Rassistische Anfeindungen begleiten Arabella Kiesbauer (51) seit Beginn ihrer Karriere. Der traurige Höhepunkt: ein Briefbombenattentat im Jahr 1995. Die Moderatorin selbst sagt rückblickend, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt "von einer gewissen Leichtigkeit des Seins" hatte verabschieden müssen.

Die Talkmasterin Arabella Kiesbauer (51) sitzt auf einem gelben Sofa im Arabella-Studio bei ProSieben in München-Unterföhring. (Archivbild)
Die Talkmasterin Arabella Kiesbauer (51) sitzt auf einem gelben Sofa im Arabella-Studio bei ProSieben in München-Unterföhring. (Archivbild)  © Soeren Stache/ddp/dpa

Vor knapp 25 Jahren verlor Kiesbauer den Glauben an das Gute im Menschen. Damals, am 9. Juni 1995, ging eine Briefbombe in ihrem Münchner Talkshow-Studio hoch - adressiert an die Moderatorin. 

Ihre Assistentin wurde leicht verletzt.

"Ich musste mich von einer gewissen Leichtigkeit des Seins verabschieden", erklärt Kiesbauer der Deutschen Presse-Agentur bezüglich dieses noch immer einschneidenden Erlebnisses. "Zuerst war ich wie gelähmt."

Für alle im Sender sei es ein großer Einschnitt gewesen: "Von diesem Zeitpunkt an wurde die gesamte Post im Haus durchleuchtet, Security bewachte den Zutritt ins Studio und begleitete mich auf Schritt und Tritt. Das Schlimmste war aber der 'Verlust der Unschuld' - wenn Sie verstehen, was ich meine", schildert Kiesbauer im Gespräch weiter. 

Sie habe sich im Jahr 1995 vom "unerschütterlichen Glauben an das Gute verabschieden" müssen.

Ein österreichischer Rechtsterrorist wurde 1999 für diese Tat und weitere in Graz zu lebenslanger Haft verurteilt. 

Er hatte nicht nur die Bombe an Kiesbauer geschickt, sondern war nach Auffassung des Gerichtes verantwortlich für eine ganze Serie von Rohr- und Briefbomben, die zwischen 1993 und 1996 vier Menschen töteten und 15 verletzten, einige von ihnen schwer. Die Bomben waren stets mit dem Hinweis "privat", "persönlich" oder "nur vom Empfänger zu öffnen" versehen. 

Prominentestes Opfer war der damalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk, dessen linke Hand von einer Briefbombe zerfetzt wurde. Der verurteilte Bombenbauer starb im Jahr 2000.

Rassismus: Arabella Kiesbauer will nicht in der Opferrolle feststecken

Rassistische Anfeindungen begleiten Arabella Kiesbauer (51) seit Beginn ihrer Karriere.
Rassistische Anfeindungen begleiten Arabella Kiesbauer (51) seit Beginn ihrer Karriere.  © Jörg Carstensen/dpa

Die Bombe war der traurige Höhepunkt einer Reihe von Drohbriefen und rassistischen Hassattacken, die den Start von Kiesbauers Kult-Talkshow "Arabella", die von 1994 bis 2004 bei ProSieben lief, begleitete - und die bis heute nicht abgerissen ist. 

"Früher bekam ich rassistische Briefe ohne Absender, mittlerweile stehen der komplette Name und die Anschrift darauf", sagt Kiesbauer, Tochter einer Theaterschauspielerin aus Deutschland und eines Ingenieurs aus Ghana, und führt weiter aus: "Erschreckend ist, dass die rechte Szene das Gefühl hat, sich nicht mehr 'verstecken' zu müssen."

Vier Jahre nach der Bombe gingen Briefe mit Morddrohungen gegen Kiesbauer und ihren RTL-Kollegen Hans Meiser (73) ein, mit denen die Erpresser die Privatsender dazu zwingen wollten, die Shows abzusetzen. Kiesbauers Management bestätigte der dpa damals, dass die Zahl ihrer Leibwächter von einem auf sechs erhöht wurde. 

Im Jahr 2004 erhielt sie vor ihrem Auftritt in der Schweizer Sendung "MusicStar" Morddrohungen und ließ sich ebenfalls von Bodyguards bewachen.

Aber: "Ich wollte aus der Opferrolle ausbrechen und in die Offensive gehen", sagt sie heute. Darum habe sie ziemlich direkt nach dem Briefbomben-Attentat begonnen, an deutschen Schulen über Rassismus und gegen Vorurteile zu sprechen. Sie ist heute noch ehrenamtliche Integrationsbotschafterin in Österreich, für ihre Verdienste um die Integration wurde sie 2013 mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.

Sie habe sich damit abgefunden, wohl ihr Leben lang rassistisch angefeindet zu werden, sagt Kiesbauer. 

"Ich bin realistisch genug, zu wissen, dass mich Rassismus mein Leben lang begleiten wird. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd zeigt wieder einmal, dass Rassismus und soziale Ungerechtigkeit nach wie vor ein Thema unserer Zeit sind", sagt die Moderatorin und fügt den Hashtag derjenigen dazu, die (nicht nur) in den USA gegen die Diskriminierung von schwarzen Menschen kämpfen: "#blacklivesmatter".

Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa

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