Aufarbeitung von Missbrauchsfällen: Betroffenenbeirat im Fokus, einzige Frau tritt aus

München - Nur wenige Wochen nach dem Start der Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Erzbistum München und Freising gibt es Ärger im Betroffenenbeirat.

Nach dem Start der Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Erzbistum München und Freising gibt es Ärger. (Symbolbild)
Nach dem Start der Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Erzbistum München und Freising gibt es Ärger. (Symbolbild)  © Jochen Lübke/dpa

Die einzige Frau im Beirat hat ihren Rücktritt aus dem fünfköpfigen Gremium erklärt. "Ich bin als Frau in dieser Position aufgelaufen", sagte Agnes Wich der Deutschen Presse-Agentur in München. Zuvor hatte der Deutschlandfunk darüber berichtet.

Das Erzbistum von Kardinal Reinhard Marx (67) bestätigte den Rücktritt, wollte sich dazu jedoch nicht weiter äußern. Der Betroffenenbeirat sei ein entsprechend eigenständiges Gremium.

Wich, die als neunjähriges Mädchen von einem Priester missbraucht worden war, hatte nach eigenen Angaben vor allem ein Problem damit, dass der Betroffenenbeirat ausgerechnet einen Priester, der selbst Opfer sexuellen Missbrauchs wurde, in die Aufarbeitungskommission entsandt habe.

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"Das gibt garantiert einen Loyalitätskonflikt mit dem Arbeitgeber Kirche", sagte Wich. "Das sind Dinge, die gehen einfach nicht." Auch dass sie als einzige Frau aus dem Beirat nicht als Vertreterin in die Kommission geschickt wurde, störte sie deutlich.

Nach Bistumsangaben hatte es sieben Bewerber für die Mitarbeit im Beirat gegeben, darunter eine Frau.

Aufarbeitung von Missbrauchsfällen: Agnes Wich übt deutliche Kritik

Wich kritisierte, dass das Bistum sich nicht genügend Zeit genommen habe, geeignete Kandidaten für den Beirat zu finden.

"Mehr Zeit, mehr Medienarbeit, mehr ehrliches Interesse" für die Opfer sexuellen Missbrauchs hätte es ihrer Ansicht nach vonseiten des Bistums geben müssen. "Es geht um die Außenwirkung, mehr nicht", sagte Wich hinsichtlich der Situation.

"Da werden Betroffene instrumentalisiert", erklärte sie.

Titelfoto: Jochen Lübke/dpa

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