Missbrauch-Skandal in katholischem Heim: Jetzt schaltet sich die Bundesregierung ein

Baiern/München/Berlin - In den Skandal um mutmaßlichen sexuellen Missbrauch in dem früheren katholischen Piusheim in Oberbayern (TAG24 berichtete) schaltet sich nun auch die Bundesregierung ein.

Das ehemalige katholische Piusheim in Baiern.
Das ehemalige katholische Piusheim in Baiern.  © Steffen Heinemann/dpa

Der Missbrauchsbeauftragte Johannes-Wilhelm Rörig hat den Erzbischof der zuständigen Diözese München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, in einem persönlichen Brief gebeten, jenseits der Strafverfolgung auch die schon verjährten Fälle aufzuarbeiten.

"Ich wollte ihm klar sagen, dass ich es wichtig fände, wenn er jetzt ein starkes Signal pro unabhängige Aufarbeitung setzen würde", sagte Rörig der Deutschen Presse-Agentur.

Marx' Sprecher Bernhard Kellner bestätigte, dass der Erzbischof auf Rörigs Brief geantwortet hat. "Kardinal Marx will eine unabhängige Aufklärung", betonte er.

Das Piusheim ist inzwischen - 14 Jahre nach seiner Schließung - ins Visier der Justiz geraten. 

Auch die verjährten Fälle aus dem Piusheim sollen aufgearbeitet werden

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, spricht während einer Pressekonferenz.
Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, spricht während einer Pressekonferenz.  © Soeren Stache/dpa

Die Staatsanwaltschaft München II hat Vorermittlungen gegen einen ehemaligen Erzieher und einen damals angehenden Priester aufgenommen, nachdem ein heute 56-Jähriger vor Gericht schwere Vorwürfe gegen sie erhoben hatte.

Seit Bekanntwerden der Vorermittlungen melden sich immer mehr ehemalige Bewohner bei der Opfer-Initiative "Eckiger Tisch". 

Bei der am bayerischen Landesjugendamt angesiedelten Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder hatten sich über die Jahre schon 28 ehemalige Piusheim-Bewohner gemeldet, das Erzbistum München wusste von neun Verdachtsfällen.

Auch bei der Staatsanwaltschaft hat sich inzwischen ein weiterer mutmaßlich Betroffener gemeldet.

Titelfoto: Steffen Heinemann/dpa, Soeren Stache/dpa

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