Bayern-SPD mit Duo an der Spitze: Ronja Endres und Florian von Brunn gewählt

München - Die Bayern-SPD wurde von einem kleinen Beben erschüttert! Der Parteitag verweigerte dem etablierten Generalsekretär Uli Grötsch (45) die Gefolgschaft und installierte ein Führungsduo - diesem bleibt eine Menge Arbeit.

Florian von Brunn (51) will vor allem mehr Akzente in der Umweltpolitik setzen, besonders beim Klimaschutz.
Florian von Brunn (51) will vor allem mehr Akzente in der Umweltpolitik setzen, besonders beim Klimaschutz.  © Matthias Balk/dpa

Ronja Endres (34) und Florian von Brunn (51) heißen die beiden neuen Landesvorsitzenden der bayerischen Sozialdemokraten.

Der wegen der Corona-Krise online durchgeführte Landesparteitag hatte sich am Samstag zunächst mit äußerst knapper Mehrheit von nur vier Stimmen für eine Doppelspitze entschieden.

Daraufhin hatte der Einzelbewerber, der bisherige Generalsekretär und Bundestagsabgeordnete Grötsch, vereinbarungsgemäß seine Kandidatur zurückgezogen und somit den Weg frei gemacht.

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Zuvor hatten die rund 300 Delegierten mit einer Satzungsänderung den Weg für ein Führungsduo nach dem Vorbild der Bundes-SPD freigemacht.

Der Online-Parteitag kürte das Duo zu Nachfolgern der nach vier Jahren ausgeschiedenen Münchnerin Natascha Kohnen (53). Zum neuen Generalsekretär im Freistaat Bayern wurde der Nürnberger Landtagsabgeordnete Arif Tasdelen (46) gewählt.

Endres und von Brunn übernehmen den Landesverband in keiner guten Verfassung. Der Mitgliederschwund schreitet voran. Die Partei zählt inzwischen weniger als 54.000 Mitglieder und verlor mehr als 2000 in den vergangenen beiden Jahren.

Die Zahl der Mitglieder über 80 Jahren ist deutlich größer als die der Mitglieder unter 35 Jahren. Bei den Landtagswahlen 2018 hatte die SPD mit 9,7 Prozent ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis erreicht und wurde nur noch fünftstärkste Kraft im bayerischen Landtag - aktuelle Umfragen prophezeien keine Verbesserung.

Florian von Brunn und Ronja Endres stehen für eine inhaltliche Modernisierung der Bayern-SPD

Ronja Endres (34) will zeitnah Gewerkschaften und Verbände wie die SPD-nahe Arbeiterwohlfahrt kontaktieren.
Ronja Endres (34) will zeitnah Gewerkschaften und Verbände wie die SPD-nahe Arbeiterwohlfahrt kontaktieren.  © Matthias Balk/dpa

Von Brunn und Endres stehen für eine inhaltliche Modernisierung, Grötsch vertritt eher den traditionalistischen Flügel der SPD. Von Brunn will vor allem mehr Akzente in der Umweltpolitik setzen, besonders beim Klimaschutz.

Endres erklärte nach ihrer Wahl, sie werde zeitnah Gewerkschaften und Verbände wie die SPD-nahe Arbeiterwohlfahrt kontaktieren. "Ich stehe hier, weil ich es satt habe, vom Niedergang der SPD in den Medien zu hören", hatte sie bei ihrer Bewerbung gesagt und weiter: "Es geht um nichts anderes als die Zukunft unserer Bayern-SPD."

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (62) hatte auf dem Parteitag der Bayern-SPD dafür geworben, neue Technologien in Bund und Ländern engagierter voranzutreiben, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu erhalten. Deutschlands Zukunft laufe ansonsten Gefahr, verspielt zu werden, so Scholz.

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"Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Deutschland nicht wirtschaftlich abgehängt wird", sagte er. Deutschland solle nicht in die Lage geraten, irgendwann dem wirtschaftlichen Wohlstand auf anderen Kontinenten nachtrauern zu müssen.

Ronja Endres (34) und Florian von Brunn (51) heißen die beiden neuen Landesvorsitzenden der bayerischen Sozialdemokraten.
Ronja Endres (34) und Florian von Brunn (51) heißen die beiden neuen Landesvorsitzenden der bayerischen Sozialdemokraten.  © Matthias Balk/dpa

SPD: Olaf Scholz mit klarer Haltung im Hinblick auf die Zukunft und erneuerbare Energien

Es brauche etwa mehr Investitionen in erneuerbare Energien.

"Wenn wir zum Beispiel CO2-neutral wirtschaften wollen, was notwendig ist, wegen des Klimas aber auch wegen der wirtschaftlichen Zukunft, dann heißt das auch, dass wir viel mehr erneuerbaren Strom brauchen, das geht nicht ohne Windkraftanlagen, das geht nicht ohne Solaranlagen, das geht nicht ohne ein stärkeres Stromnetz", erklärte Scholz.

Das Tempo des Ausbaus sei zu gering, insbesondere in von der Union regierten Ländern. Die Ladeinfrastruktur für Elektroautos sei ein weiteres Beispiel für zu träges Vorgehen.

In der Frage der Kanzlerkandidatur hätten nun alle drei infrage kommenden Parteien ihre Personalvorschläge gemacht. "Damit geht es um die Frage: Wer kann das, wer hat den richtigen Plan?", sagte der 62-Jährige und führte unmittelbar weiter aus: "Ich bin der Überzeugung: Wir können das, wir haben den richtigen Plan."

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

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