Gurlitts Betreuer: "Man hat ihm Unrecht getan!"

München - Vor zehn Jahren machte die Staatsanwaltschaft in einer Schwabinger Wohnung einen Sensationsfund: Hunderte Kunstwerke wurden in München entdeckt - teils wertvoll, teils von mutmaßlich dubioser Herkunft.

Als Cornelius Gurlitt im Alter von 81 Jahren starb, vermachte er seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern.
Als Cornelius Gurlitt im Alter von 81 Jahren starb, vermachte er seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern.  © Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa

Der ehemalige Betreuer des 2014 gestorbenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt (†81) erhebt nach einer Dekade nach der Beschlagnahmung von dessen Bildern Vorwürfe gegen die Behörden.

"Für Gurlitts Sicht der Dinge hat man sich überhaupt nie interessiert, auch für seine Person hat man sich nicht interessiert", so der Münchner Rechtsanwalt Christoph Edel der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte für "Staatsanwaltschaft, Politik, Medien". "Man hat ihm Unrecht getan."

"Es war ein rücksichtsloser Umgang mit einem alten Menschen, dem ja rechtlich nichts vorzuwerfen war, und auch ob ihm moralisch etwas vorzuwerfen war, ist fraglich, wenn man an seine gesundheitliche und familiäre Situation denkt", führte Edel weiter aus.

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Edel war bis zu Gurlitts Tod am 6. Mai 2014 der gesetzliche Betreuer des Mannes, der im Mittelpunkt eines nie dagewesenen Kunstkrimis stand.

Vor nun zehn Jahren, am 28. Februar 2012, entdeckten Ermittler der Staatsanwaltschaft Augsburg Hunderte wertvolle Kunstwerke in der Schwabinger Wohnung des alten Mannes. Erst anderthalb Jahre danach wurde der Fund öffentlich und sorgte für großes Aufsehen und eine hitzige Debatte über den Umgang mit von den Nationalsozialisten geraubten Kunstwerken in Deutschland. Denn Gurlitts Vater Hildebrand war einer der Kunsthändler Adolf Hitlers (†56).

Raubkunst-Verdacht bei Sammlung von Cornelius Gurlitt bei 14 Werken bislang eindeutig bestätigt

Raubkunst-Verdacht: Die Sammlung des verstorbenen Münchners Cornelius Gurlitt (†81) wird noch immer genau geprüft.
Raubkunst-Verdacht: Die Sammlung des verstorbenen Münchners Cornelius Gurlitt (†81) wird noch immer genau geprüft.  © Britta Pedersen/dpa

Nachdem der Fund bekannt geworden war, wurde sogar noch weitere Kunst in Gurlitts Salzburger Haus gefunden. Das Konvolut umfasst insgesamt rund 1600 Werke. Als Gurlitt starb, vermachte er seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern.

Kurz vor seinem Tod hatte die Staatsanwaltschaft Augsburg die Beschlagnahmung der Sammlung aufgehoben, nachdem seine Anwälte zuvor Beschwerde dagegen eingelegt hatten. Dies wurde als juristischer Sieg für Gurlitt gewertet.

Von Hunderten Bildern, die laut Behörden anfangs unter Raubkunst-Verdacht standen, hat sich dieser Verdacht nach Angaben des Kunstmuseums Bern aus dem Dezember bei lediglich 14 Werken aus der Sammlung bislang eindeutig bestätigt.

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Auch der Autor und Dokumentarfilmer Maurice Philip Remy (60) hatte bereits in seinem 2017 erschienenen Buch "Der Fall Gurlitt" ähnliche Vorwürfe erhoben.

Ein Sprecher der damaligen Kulturstaatsministerin Monika Grütters (60, CDU) wies die Vorwürfe damals zurück: Die Bundesregierung habe vor allem aus moralischer Verpflichtung für die weltweite jüdische Gemeinschaft große Anstrengungen unternommen, die Herkunft der Werke transparent und eindeutig zu klären.

"Ich habe ihn als jemanden erlebt, der verletzlich ist und stark überfordert mit den Mühlen, in die er geraten ist", sagte Edel. Es sei nicht richtig, dass Bilder, die sich als Nazi-Raubkunst entpuppten, nur auf Betreiben der Behörden restituiert worden seien. "Cornelius Gurlitt hat sich freiwillig den Washingtoner Prinzipien unterworfen und sich bereit erklärt, die Bilder zurückzugeben."

Titelfoto: Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa

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