Digitalisierung soll Alltag vereinfachen, doch hier schafft sie neue Hürden

München - Touchscreens sowie unbeschriftete oder zu kleine Symbole auf Bildschirmen sind für blinde und sehbehinderte Menschen im digitalisierten Arbeitsalltag ein großes Problem.

Ein Mann Arbeitet mit einer Braillezeile und einem Smartphone mit Kopfhörern. Die Braillezeile ist ein Ausgabegerät für Blinde, welches Texte in Brailleschrift umwandelt und mit dem Tastsinn erfühlt werden können.
Ein Mann Arbeitet mit einer Braillezeile und einem Smartphone mit Kopfhörern. Die Braillezeile ist ein Ausgabegerät für Blinde, welches Texte in Brailleschrift umwandelt und mit dem Tastsinn erfühlt werden können.  © Holger Hollemann/dpa

Oft gebe es zudem keine akustischen Hilfen wie Signaltöne, und auch die Sprachausgabe funktioniere nicht immer, sagte der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB), Steffen Erzgraber, am Mittwoch in München.

Selbst spezielle Anpassungen für Betroffene würden teils durch Updates wieder aufgehoben.

Der BBSB hat deswegen zu seinem 100-jährigen Jubiläum am Mittwoch mehr Barrierefreiheit in der Digitalisierung gefordert. 

"Jede technische Neuerung bringt Wunderbares, aber in der Regel auch digitale Barrieren mit sich", sagte die Landesvorsitzende Judith Faltl. 

Software solle deswegen nur noch eingesetzt werden, wenn sie nachprüfbar inklusiv ist, forderte Erzgraber. "Hier wird gerade eine riesige Weiche gestellt. Wenn Barrierefreiheit nicht von Anfang an mitgedacht wird, dann sind wir ausgeschlossen."

Das beginne schon in der Schule: Schulbücher würden heute zwar digital erstellt, müssten für sehbehinderte und blinde Kinder oder Jugendliche aber nachträglich aufwendig umgearbeitet werden.

"Wir fordern daher, dass nur noch Schulbücher zugelassen werden, die von Anfang an barrierefrei zur Verfügung stehen - und nicht erst in zehn Jahren", sagte Erzgraber.

Für eine behinderungsübergreifende und einheitliche Umsetzung der Barrierefreiheit im Freistaat fordert der BBSB außerdem die Einführung einer Landesfachstelle Barrierefreiheit wie auf Bundesebene.

Titelfoto: Holger Hollemann/dpa

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