Bluttat in Würzburg: Zivilcourage steigt, wenn andere Menschen mitmachen

Von Stefan Heinemeyer

München - Zivilcourage funktioniert bei Bedrohungen anderer Menschen nach den Worten des Sozialpsychologen Dieter Frey umso besser, je mehr Personen gegen eine entsprechende Gefahr aufbegehren.

Bei einer Messerattacke in Würzburg hat ein 24-Jähriger aus Somalia am Freitag drei Menschen getötet und fünf schwer verletzt.
Bei einer Messerattacke in Würzburg hat ein 24-Jähriger aus Somalia am Freitag drei Menschen getötet und fünf schwer verletzt.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das Einschreiten falle leichter, wenn man sich von anderen unterstützt fühle, sagte der Experte der Ludwig-Maximilians-Universität München am Samstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Hier seien konkrete Ansprachen an andere mit der Bitte um Hilfe oder gemeinsames Vorgehen gut.

Auch die Ausbildung in Erste-Hilfe-Kursen erhöht aus Sicht Freys die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen Verantwortung übernehmen, initiativ werden und andere mitnehmen.

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Nach seiner Darstellung zeigen etwa zehn bis 20 Prozent der Menschen Zivilcourage in einem Notfall, wenn sie etwa sehen, dass ein Kind ins Wasser fällt oder jemand in der Bahn, in einem Geschäft oder auf offener Straße bedroht wird. Die Hemmschwelle steige, je größer die Gefahr eingeschätzt werde, die von einem Täter ausgehe. Aber selbst bei höchster Gefahr und eindeutiger Wahrnehmung einer Notsituation greife jeder Zehnte ein, sagte Frey.

Der Sozialpsychologe wandte sich gegen eine "pluralistische Ignoranz" - die mit der Einschätzung verbunden sei, wenn niemand etwas tue, könne es nicht so schlimm sein. "Würzburg hat gezeigt, dass sie Bürger mit Zivilcourage haben", sagte Frey.

Bei einer Messerattacke in Würzburg hatte ein 24-Jähriger aus Somalia am Freitag drei Menschen getötet und fünf schwer verletzt - zwei davon lebensbedrohlich. Am Freitagnachmittag filmten Passanten den Mann noch vor seiner Festnahme.

In den im Internet verbreiteten Clips war zu sehen, wie gleich mehrere Menschen versuchten, den Angreifer zu überwältigen. Ein Mann ging mit einem Besen auf den 24-Jährigen los, andere waren mit Stühlen in der Hand zu sehen.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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