Lockdown bis Ende Januar? Neuer Stresstest für Bayerns Schulen

München - Wegen der weiterhin viel zu hohen Corona-Zahlen steht Bayern vor einer Verlängerung des harten Lockdowns bis Ende Januar.

Schüler im Freistaat dürfen sich wohl kaum Hoffnungen auf baldige Schulöffnungen machen.
Schüler im Freistaat dürfen sich wohl kaum Hoffnungen auf baldige Schulöffnungen machen.  © Sebastian Gollnow/dpa

Vor der mit Spannung erwarteten Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin am Dienstag dürften sich auch die Schüler im Freistaat wohl kaum Hoffnungen auf baldige Schulöffnungen machen.

Denn die Kultusminister der Länder hatten sich schon am Montag auf einen Stufenplan geeinigt, wonach Schulöffnungen überall nur dort möglich sein sollen, wo es das Infektionsgeschehen erlaubt.

Legt man das vor dem Lockdown von Bund und Ländern formulierte Ziel mit einer Inzidenz von höchstens 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Region aus, dürfte es im Freistaat nur Distanzunterricht geben.

Auch Ministerpräsident Markus Söder (53, CSU) hatte in den vergangenen Tagen bereits strikte Beschränkungen für weitere drei Wochen bis zum Monatsende gefordert und davor gewarnt, dass vorschnelle Lockerungen das Land wieder weit zurückwerfen könnten.

Auch bei den anderen Ländern ist die generelle Verlängerung kein Streitthema - strittig sind dem Vernehmen nach eher Detailfragen, etwa zu Auszahlungsfristen für Finanzhilfen und Präsenzunterricht an Grundschulen.

Immerhin durften die Jüngsten in Bayerns Bildungssystem vor den Ferien noch in Schulen und Kindergärten gehen. Genau an diesem Punkt deutete sich für die Ministerpräsidentenkonferenz am Dienstag ein Auseinanderdriften bei den Bundesländern an.

So könnten einzelne Länder ihre Schulen früher öffnen als etwa Bayern. Final beschlossen werden soll das Vorgehen für Bayern aller Voraussicht nach am Mittwoch bei einer Sondersitzung des Ministerrats in München. Nach den vergangenen Ministerpräsidentenkonferenzen hatte es zudem auch immer noch eine Landtagssitzung gegeben.

Läuf die Online-Plattform Mebis nach den letzten Schwierigkeiten wieder?

Eine Schülerin hat auf einem Laptop die Lernplattform "mebis" für bayerische Schulen geöffnet.
Eine Schülerin hat auf einem Laptop die Lernplattform "mebis" für bayerische Schulen geöffnet.  © Stefan Puchner/dpa

Bayerns Schüler, Lehrer und auch Eltern erwarten aber nach den Ferien auch noch eine andere Antwort auf ein seit langem bestehendes Problem: Wird die fehleranfällige Online-Lernplattform Mebis endlich stabiler laufen?

Kultusminister Michael Piazolo (61, Freie Wähler) kann dies kurz vor dem Ferienende nicht sagen. Auch im Dezember hätten Experten gesagt, dass es mit dem Teufel zugehen müsse, damit es noch mal Probleme gebe, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Er sei aber "zuversichtlich", dass es einen guten Distanzunterricht geben werde.

Um das System vor Überlastung zu schützen, seien sowohl zusätzliche Speicher- und Serverkapazitäten eingerichtet worden, zur Handhabung solle es aber auch eine zeitliche Entzerrung bei der Nutzung geben.

"Wir wollen erreichen, dass sich nicht alle Schüler morgens zur gleichen Zeit einloggen". Mebis solle so genutzt werden, wie es eigentlich gedacht ist: als asynchrone Lernplattform. Letztlich sei Mebis nur eines von vielen Tools, für Video-Konferenzen gebe es die Plattform MS Teams.

Vor den Weihnachtsferien war Piazolo wegen wiederholt aufgetretener Probleme bei Mebis auch persönlich massiv in die Kritik geraten. Nicht nur die Opposition forderte daraufhin seinen Rücktritt, auch aus den Reihen der CSU kam direkte Kritik.

Söder hatte Piazolo gar indirekt eine Frist gesetzt, in dem er erklärte, dass nach den Ferien das System störungsfrei laufen müsse.

Schüler loggen sich pünktlich ein: "Dafür war Mebis nicht ausgelegt"

Michael Piazolo (61, Freie Wähler), Staatsminister für Unterricht und Kultus, im Bayerischen Landtag.
Michael Piazolo (61, Freie Wähler), Staatsminister für Unterricht und Kultus, im Bayerischen Landtag.  © Peter Kneffel/dpa

Piazolo betonte, auch er habe sich sehr darüber geärgert, dass Mebis trotz wiederholter Tests nicht so funktioniert habe, wie es sollte.

"Unsere Lasttests haben gezeigt, dass sich sehr viele Nutzer zum gleichen Zeitpunkt eingeloggt haben, für viele Schüler war es das Zeichen an den Lehrer, dass sie pünktlich da sind. Dafür war Mebis nicht ausgelegt."

Doch für Piazolo zeigt sich in der Empörungsdebatte um Mebis auch noch ein anderes Problem: "Wir haben derzeit die größte Krise der vergangenen Jahrzehnte und dennoch fordern alle Normalität. Das passt nicht zusammen."

Letztlich habe nur ein Achtel aller Schüler in Bayern pro Tag mit Mebis gearbeitet. Alle anderen Hilfsmittel zum Distanzunterricht hätten einwandfrei funktioniert.

Alle Beteiligten wollten eine hohe Bildungsqualität, aber es sei auch wichtig, in der Krise die Erwartungen ein bisschen nach unten zu schrauben. "Das ist auch eine Lehre aus der Corona-Krise - es ist nicht alles so planbar, wie man es gerne hätte", sagte Piazolo.

Dass im Dezember auch sein Rücktritt wegen der Mebis-Probleme gefordert wurde, sieht Piazolo gelassen. "Solche Begleitmusik muss man ausblenden, wenn man seine Arbeit machen will." Aus seiner Sicht laufe die Arbeit der Koalition gut, fehlenden Rückhalt spüre er nicht.

Und mit einem Augenzwinkern betonte er: "Ich bin mir sicher, wenn Mebis gut funktioniert, wird man schnell über etwas anderes reden, was dann vielleicht nicht so gut läuft."

Rufe nach Vorziehen der Winterferien

Für Gesprächsstoff sorgen dürfte in jedem Fall eine andere Idee, um den Lehrplan besser mit der Pandemie besser in Einklang zu bringen: So mehren sich die Stimmen, die dem Vorziehen der Winterferien von Mitte Februar (15. bis 19.2.) direkt an das Ende der Weihnachtsferien offen gegenüberstehen.

"Das ist sicher eine Überlegung, die durchaus Sinn machen kann. Auf diese Weise würden wir Zeit gewinnen, da dann im Februar ein längerer Block Unterricht ohne erneute Unterbrechungen möglich wäre", sagte Piazolo.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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