Generelle Maskenpflicht? Lehrer, Eltern, Schüler uneins

München - In NRW gilt an weiterführenden Schulen nach den Sommerferien eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Was macht Bayern? Darüber berät am Montag das Kabinett. Bildungsverbände sind in der Frage gespalten.

Schüler einer 12. Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums nehmen am Unterricht teil und tragen Mundschutze. Das Kabinett im Freistaat will beraten, wie es nach den Sommerferien an den Schulen weitergehen soll.
Schüler einer 12. Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums nehmen am Unterricht teil und tragen Mundschutze. Das Kabinett im Freistaat will beraten, wie es nach den Sommerferien an den Schulen weitergehen soll.  © Sven Hoppe/dpa

Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter im Freistaat sind sich weiterhin uneins über eine denkbare generelle Maskenpflicht auch im Unterricht. 

Vor einer außerplanmäßigen Videokonferenz des Kabinetts am Montag äußerten sich der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien und der Landesschülerrat skeptisch bis ablehnend - und warnten etwa vor möglichen Folgen für die jeweiligen Kinder im sozial-emotionalen Bereich. 

Der Philologenverband und die Direktorenvereinigung der Gymnasien dagegen erklärten, bei steigenden Coronavirus-Zahlen wäre eine Maskenpflicht auch im Unterricht noch das kleinere Übel gegenüber anderen Maßnahmen.

In der Videoschalte am Montag will das Kabinett in Bayern auch beraten, wie es nach den Sommerferien an den Schulen weitergehen soll. Kultusminister Michael Piazolo (63, Freie Wähler) hatte zuletzt einen Vier-Stufen-Plan vorgelegt, nach dem jedenfalls bis zum Platz im Klassenzimmer eine Maskenpflicht gelten soll, auch in Grundschulen. 

Nur bei höheren Infektionszahlen soll demnach eine Maskenpflicht auch im Unterricht gelten. Zuletzt hatte allerdings Nordrhein-Westfalen entschieden, dass dort im neuen Schuljahr an allen weiterführenden und berufsbildenden Schulen auch im Unterricht eine Maske getragen werden muss. Das hat nun auch die Debatte darüber in Bayern weiter befeuert.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sagte, man werde die politischen Entscheidungen akzeptieren müssen. Persönlich sei ihre Bewertung eindeutig: "Unterricht mit Maske ist kein normaler Unterricht." 

Dies würde negative Folgen haben sowohl für den Kompetenzerwerb als auch im sozialen und emotionalen Bereich. Man müsse deshalb bei steigenden Infektionszahlen abwägen, was besser sei: Präsenzunterricht für alle Kinder gleichzeitig mit Maske - oder Unterricht wieder nur mit halben Klassen und mit Abstand, aber ohne Maske. Bei dieser Abwägung müssten diverse Faktoren einbezogen werden - medizinische und pädagogische.

Coronavirus-Pandemie: Tragen von Masken als "absolute Ultima Ratio"

Maskenpflicht? Folgen sollen nicht absehbar sein. (Symbolbild)
Maskenpflicht? Folgen sollen nicht absehbar sein. (Symbolbild)  © Arne Dedert/dpa

Die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien, Susanne Arndt, mahnte: "Die Maßnahme, dass Kinder und Lehrer generell über mehrere Stunden eine Maske im Unterricht tragen, sollte die absolute Ultima Ratio sein." 

Denn die Folgen wären nicht absehbar. "Vorher sollte man überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, jede Klasse für sich quasi zu isolieren, um so die Begegnungen und damit die Möglichkeiten der Ansteckung zu reduzieren", sagte sie.

Der Landesschülerrat befürwortet zwar eine Maskenpflicht auf dem Schulgelände. Eine Maskenpflicht auch im Unterricht stelle aber eine zu große Einschränkung des Unterrichtsgeschehens dar, sagte der Landesschülersprecher der Realschulen in Bayern, Lucas Pflugfelder. 

Der Landesschülerrat fordert deshalb, die Maskenpflicht sollte "nur bis zum Sitzplatz und nicht während des Unterrichts gelten".

Der Vorsitzende des Philologenverbands, Michael Schwägerl, erklärte dagegen, man habe eine generelle Maskenpflicht auch im Unterricht bisher nicht grundsätzlich ausgeschlossen. 

"Denn die letzten Monate haben gezeigt: Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen, und ihn zu erhalten muss das Ziel sein", sagte er. "Bei steigenden Infektionszahlen sind dann sicherlich Masken im Unterricht das geringere Übel im Vergleich zu einem wöchentlichen Wechselmodell oder einer kompletten Schulschließung." Die Maßnahmen sollten aber immer gesamtgesellschaftlich eingebettet sein: "Wenn im Unterricht Masken durchgehend verpflichtend werden, dann muss man beispielsweise auch über eine verschärfte Maskenpflicht in Restaurants nachdenken."

Birgit Reiter aus dem Landesvorstand der Direktorenvereinigung betonte, man versuche alles, um das neue Schuljahr im September im Regelbetrieb zu starten. Sie fügte aber hinzu: "Auch wenn es keine schöne Vorstellung ist, dass unsere Schülerinnen und Schüler genauso wie die Lehrkräfte über Stunden hinter Masken atmen müssen: Wenn Masken die Gesundheit wirklich wirksam schützen, sollte man zu diesem Mittel greifen." 

In Kürze werde man sicher auch erfahren, wie sich die generelle Maskenpflicht in anderen Bundesländern bewähre.

"Wenn sich in Bayern die Infektionszahlen so entwickeln, dass nur so die Anwesenheit möglichst vieler Schülerinnen und Schüler an den Schulen möglich ist, dann sind Masken eben nötig", argumentierte Reiter. "Das wäre auch für die soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen förderlicher als sie weiterhin zu Hause zu lassen."

Titelfoto: Arne Dedert/dpa

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