Corona-"Spezialeinheit" zum Schutz von Heimbewohnern? Für Söders neues Konzept hagelt es Kritik

München - Mit einer neuen Spezialeinheit will Bayern die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen besser vor Ansteckungen mit dem Coronavirus schützen.

Markus Söder (53, CSU), Ministerpräsident von Bayern, gibt im bayerischen Landtag während einer Sondersitzung eine Regierungserklärung ab.
Markus Söder (53, CSU), Ministerpräsident von Bayern, gibt im bayerischen Landtag während einer Sondersitzung eine Regierungserklärung ab.  © Sven Hoppe/dpa-pool/dpa

"Experten sagen eindeutig, dass es ab einer bestimmten Höhe der Infektionszahlen und bei einem diffusen Infektionsgeschehen nahezu unmöglich ist, Alten- und Pflegeheime komplett vom Virus frei zu halten", sage Ministerpräsident Markus Söder dem in Aschaffenburg erscheinenden Main Echo (Samstagsausgabe).

Trotzdem wolle er sich mit der Situation nicht abfinden: Es werde "eine Spezialeinheit gegründet, mit der wir die Kontrollen in den Heimen verstärken". Vorwürfe, dass die besonders anfälligen und gefährdeten Menschen in Pflegeheimen nicht gut genug geschützt würden, wies Söder zurück.

Für Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, brauchen die Heimbewohner in der Pandemie keine Spezialeinheit.

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"Heimbewohner, die das Virus bedroht, brauchen jetzt keine knallharten Sheriffs", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in München. Vielmehr seien helfende Hände notwendig, damit die Pflegebedürftigen durch die Krise kommen. Leider sei "weit und breit" keine Taskforce zu sehen, die bei Grund- und Behandlungspflege unterstütze.

Auch fehle zusätzliches Personal für regelmäßige Corona-Schnelltests vor jeder Einrichtung.

Kritik der Grünen: "Mindestmaß an sozialen Kontakten muss für ein Leben in Würde gewährleistet werden"

Im bayerischen Landtag stieß Markus Söder (rechts am Pult) mit seinem Konzept auf Kritik.
Im bayerischen Landtag stieß Markus Söder (rechts am Pult) mit seinem Konzept auf Kritik.  © Sven Hoppe/dpa-pool/dpa

Aus dem bayerischen Landtag kam umgehend Kritik an den Plänen der Regierung.

"Wir brauchen keine Spezialeinheit, die unsere Heimbewohnerinnen und -bewohner abschirmt, sondern ein Konzept, dass insbesondere Kontakte für unsere vulnerablen Gruppen ermöglicht", sagte Andreas Krahl von den Grünen. Seine Fraktion forderte mobile Testteams vor Ort, die das Personal entlasten und Besuche tatsächlich ermöglichen könnten.

Krahls Fraktionskollegin Kerstin Celina betonte zudem: "Als Gesellschaft haben wir eine besondere Verantwortung für Menschen mit besonderer Verletzlichkeit. Ein Mindestmaß an sozialen Kontakten muss für ein Leben in Würde gewährleistet werden."

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In einem Positionspapier fordern die Grünen dafür, die Ausweitung der aktuellen Besuchsbeschränkung in stationären Einrichtungen auf einen Haushalt pro Tag. Die Ausweitung auf einen Haushalt statt einer Person gehe ohne größeres Infektionsrisiko einher.

Zugleich betonte Söder, dass die Pandemie erst durch Impfungen langfristig unter Kontrolle gebracht werden könne. "Die großen Seuchen dieser Welt wie etwa die Pocken wurden nur erfolgreich bekämpft durchs Impfen und nicht durchs Zuwarten und Schlechtreden."

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa-pool/dpa

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