Drogen-Skandal weitet sich aus: Ermittlungen nun schon gegen 21 Polizisten!

München - Im Jahr 2018 nahm die Staatsanwaltschaft München I Ermittlungen gegen Polizeibeamte wegen Drogen-Delikten auf. Zwei Jahre später stellt sich nun heraus: Es ist womöglich alles noch viel schlimmer als bisher bereits gedacht.

Der Skandal im Münchner Polizeipräsidium weitet sich aus: Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen 21 Beamte. (Symbolbild)
Der Skandal im Münchner Polizeipräsidium weitet sich aus: Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen 21 Beamte. (Symbolbild)  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Denn der alarmierende Drogen-Skandal im Münchner Polizeipräsidium weitet sich aus.

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt inzwischen gegen 21 Polizisten, wie die Behörde mitteilte. Sie sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Drogen konsumiert und sie untereinander weitergegeben haben. 

Mehr als 70 Ermittler des Landeskriminalamtes und 100 weitere Beamte durchsuchten am Mittwoch im Rahmen einer großen Razzia 30 Wohnungen und sieben Dienststellen in und um München, in Augsburg, Dachau, Wolfratshausen, Ebersberg und an der Hochschule der Polizei in Fürstenfeldbruck. 

Es sind nach entsprechenden Angaben einer zuständigen Sprecherin die wohl umfangreichsten Ermittlungen, die die Staatsanwaltschaft jemals gegen Polizeibeamte führte. Ein klares Zeichen.

Ermittelt wird wegen des Verdachtes auf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Anti-Dopinggesetz. Gegen einzelne Beamte werde auch wegen des Verdachts der Verfolgung Unschuldiger oder Strafvereitelung im Amt ermittelt. 

Aus Sicht der Ermittlungsbehörden wiegt vor allem der Vorwurf der Verfolgung Unschuldiger schwer. Es sollen Anhaltspunkte vorliegen, dass es in einem Fall einen von den Polizisten behaupteten Widerstand gegen Polizeibeamte gar nicht gegeben hat.

In einem anderen Fall soll ein Polizist auf einer Dienststelle verwahrtes Kokain abgezweigt haben (der strafrechtliche Vorwurf lautet auf "Verwahrungsbruch") und von seinen Kollegen nicht daran gehindert worden sein - was wiederum Strafvereitelung bedeuten würde.

Drogen-Skandal im Münchner Polizeipräsidium: Ermittlungen 2018 ins Rollen gekommen

Es stehen schwere Anschuldigungen im Raum. Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä forderte harte Konsequenzen.
Es stehen schwere Anschuldigungen im Raum. Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä forderte harte Konsequenzen.  © Sven Hoppe/dpa

Die Ermittlungen waren 2018 ins Rollen gekommen, nachdem ein mutmaßlicher Drogenhändler, der vor allem Kunden eines Münchner Nachtclubs mit Rauschmitteln versorgt haben soll, vor Gericht Vorwürfe gegen Polizisten erhoben hatte.

Ursprünglich hatte der Verdacht von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz sich nur gegen zwei Polizisten gerichtet, die selbst Drogen konsumiert haben sollen, dann gegen acht - nun sind es mehr als doppelt so viele: 21 Polizeibeamte auf neun Dienststellen sowie 17 weitere Personen wie Drogenhändler oder Verkäufer von Dopingmitteln stehen unter Verdacht. 

Einige der Polizisten sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft bereits suspendiert worden.

Über Monate hinweg seien zahlreiche Durchsuchungen durchgeführt und toxikologische Gutachten eingeholt worden, teilte die Staatsanwaltschaft im Freistaat Bayern mit. 

Einer der beschuldigten Beamten verrichtet den Angaben zufolge derzeit seinen Dienst bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei, ein anderer hat vor kurzem den Dienst bei der Polizei unterbrochen, um an der Hochschule der Polizei in Fürstenfeldbruck zu studieren.

Inzwischen laufen die Ermittlungen bei einer im Juli 2020 eingerichteten Ermittlungsgruppe "Nightlife" im LKA zusammen. Bislang sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft 20 Mobiltelefonen, rund 1,6 Millionen Chatnachrichten und mehr als eine Million Bild und Videodateien sichergestellt worden, die derzeit gesichtet werden.

Bei den Durchsuchungen am Mittwoch wurden die bayerischen Ermittler von Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen unterstützt. "Die eingesetzten Beamten haben mehrheitlich erst kurz vor Beginn des Einsatzes von dessen Ziel und den betroffenen Objekten erfahren", teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä forderte harte Konsequenzen. "Für mich ist das hier im Raum stehende Verhalten der betroffenen Polizeibeamten absolut inakzeptabel und muss, wenn sich die Vorwürfe wirklich bestätigen, mit aller gesetzlicher Härte bestraft werden", sagte er am Mittwoch.

"Wir als Polizeibeamte haben durch unsere Aufgabe eine besondere Stellung in der Öffentlichkeit, die es auch stets zu achten gilt", sagte Andrä. "Es kann definitiv nicht geduldet werden, dass, wie es die bisherige Ermittlungslage vermuten lässt, wissentlich von Mitarbeitern unseres Polizeipräsidiums Straftaten verübt wurden."

Update, 13.54 Uhr: Herrmann: Sechs Polizisten nach Drogen-Ermittlungen suspendiert

Im Zuge von Drogen-Ermittlungen gegen Polizisten in München sind nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sechs Beamte suspendiert worden. 

"Weitere können abhängig vom Durchsuchungsergebnis sehr zeitnah folgen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Zuvor hatten rund 170 Ermittler eine großangelegte Drogen-Razzia in Dienststellen und Privatwohnungen von Polizisten durchgeführt. 

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz gegen 21 Polizeibeamte. 

"Kriminelle haben bei der Bayerischen Polizei nichts verloren", sagte Herrmann. "So etwas ist absolut inakzeptabel und eines Polizisten nicht würdig."

Update, 14.21 Uhr: Polizeigewerkschaft zu Drogen-Skandal: "Das tut uns weh"

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft in Bayern, Jürgen Köhnlein, fürchtet wegen des immer größer werdenden Drogen-Skandals in München um den Ruf der Polizei. 

"Das tut uns weh. Leider vergeht keine Woche ohne Negativ-Schlagzeilen", sagte der Vorsitzende des Landesverbandes am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Das wirft ein ganz schlechtes Licht auf die Polizeiarbeit." 

Zwar gebe es immer wieder mal Drogen-Ermittlungen - auch gegen Polizisten. "Aber was richtig wehtut, ist der Verwahrungsbruch. Das, was sichergestellt ist, muss auch ins Gericht kommen. Das ist unmöglich und für einen Polizisten ein Unding, sichergestellte Drogen abzuzweigen."

Zuvor hatten rund 170 Ermittler eine großangelegte Drogen-Razzia in Dienststellen und Privatwohnungen von Polizisten durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz gegen 21 Polizeibeamte. Einem wird vorgeworfen, beschlagnahmtes Kokain mitgenommen zu haben.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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