Geschlagen und mit Medikamenten ruhig gestellt! Heimkinder für Leid entschädigt

München/Berlin - Sie wurden geschlagen und mit Medikamenten ruhig gestellt. In der Nachkriegszeit haben Tausende Menschen in Heimen Unrecht erfahren. Mit einer Geldpauschale soll ihr Leid anerkannt werden. Noch läuft die Frist.

Geschlagen und mit Medikamenten ruhig gestellt: In der Nachkriegszeit haben Menschen in Heimen Unrecht erfahren. (Symbolbild)
Geschlagen und mit Medikamenten ruhig gestellt: In der Nachkriegszeit haben Menschen in Heimen Unrecht erfahren. (Symbolbild)  © 123RF/Katarzyna Białasiewicz

Seit Anfang 2017 haben mehr als 1200 frühere Heimkinder aus Bayern Geld von der Stiftung Anerkennung und Hilfe erhalten. Dies teilte eine Sprecherin des Bundessozialministeriums auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Mit der Zahlung wird anerkannt, dass die heute Erwachsenen in der Nachkriegszeit in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben. Als behindert oder auffällig eingestufte Menschen wurden sie in der Folge oftmals geschlagen und ruhig gestellt.

Manche wurden für Medizintests missbraucht.

Im Freistaat wurden deshalb bis Ende November insgesamt rund 14 Millionen Euro an 1239 Betroffene ausgezahlt. Bundesweit hat die Stiftung bislang 16.500 Männern und Frauen eine Geldpauschale von 9000 Euro und/oder eine Rentenersatzleistung von bis zu 5000 Euro gezahlt.

Die ausgezahlte Gesamtsumme liegt bei rund 171,8 Millionen Euro. Die Stiftung geht davon aus, dass sich bis zum Ende der Laufzeit im Juni 2021 rund 25 000 Betroffene für den Erhalt von Stiftungsleistungen anmelden werden.

Die Stiftung wurde von der Bundesregierung, den Bundesländern sowie der evangelischen und katholischen Kirche gegründet, um die Vergangenheit aufzuarbeiten und das Leid der Opfer anzuerkennen.

Frist zur Meldung endet im Juni 2021

Bis Juni 2021 können sich Betroffene melden und eine Pauschale von 9000 Euro erhalten.

Wer während des Aufenthaltes in der stationären Einrichtung sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, ohne dass die Einrichtung dafür Beiträge zur Sozialversicherung zahlte, kann zusätzlich bis zu 5000 Euro als Ausgleich für entgangene Rentenansprüche bekommen.

Titelfoto: 123RF/Katarzyna Białasiewicz

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