Kultarzt Müller-Wohlfahrt feiert 80. Geburtstag: Der mit Händen sieht

München - Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt wurde zum wohl bekanntesten Sportmediziner der Welt. Seine Methoden machten ihn zum Mythos - und bescherten ihm Kritik. Am heutigen Freitag feiert "Mull" seinen 80. Geburtstag.

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (80) wird vielen Fans des FC Bayern München und der Nationalmannschaft noch bestens in Erinnerung sein.
Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (80) wird vielen Fans des FC Bayern München und der Nationalmannschaft noch bestens in Erinnerung sein.  © Christian Charisius/dpa

Die 100 Meter, so behauptete Müller-Wohlfahrt einst, sei er früher in elf Sekunden gelaufen. Um ihm das zu glauben, reicht es, den gebürtigen Ostfriesen auch nur einmal in Aktion gesehen zu haben. Wie er im Vollsprint, Arztkoffer in der Hand, mit wehendem Haar über den Rasen lief, während sein Physio verzweifelt versuchte, zu folgen.

Jenes Bild des Mannes, der nun bereits seinen 80. Geburtstag feiert, hat sich bei vielen Fans des FC Bayern München und der Nationalmannschaft eingeprägt. "Er ist eine Kultfigur", sagte der frühere Bayern-Coach Jupp Heynckes (77) einmal über "Mull". "Ein Phänomen als Arzt und als Mensch."

Über die Jahre entstand ein echter Mythos um den "Wunderheiler". Müller-Wohlfahrt kann "mit den Händen sehen" - der Titel seiner 2018 erschienenen Autobiografie. Es heißt, Verletzungen könne er auf wundersame Weise ertasten. Für seine Diagnosen verzichtet er auf Maschinen, diese benutze er nur "für die Versicherung, weil die nicht glaubt, dass man nur mit den Händen diagnostizieren kann".

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Wegen derartiger Äußerungen ist Müller-Wohlfahrt bei vielen seiner Kollegen nicht immer unumstritten - und das gilt auch aufgrund seiner Vorliebe für das Präparat Actovegin. Es fördert Wachstum und Vermehrung von Muskelzellen, ist aber, sofern es nicht intravenös gespritzt wird, nicht illegal. Die Anwendung wird in der Medizin aber kritisch gesehen.

Für Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ergibt Ruhestand auch im hohen Alter keinen Sinn

Sprint-Legende Usain Bolt (35, l.) und Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (80) verbindet ein sehr enges Vertrauensverhältnis.
Sprint-Legende Usain Bolt (35, l.) und Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (80) verbindet ein sehr enges Vertrauensverhältnis.  © Felix Hörhager/dpa

Travis Tygart (51), Chef der US-Anti-Doping-Agentur, bezeichnete den Einsatz des umstrittenen Präparats mal als "Frankenstein-Experiment" an Menschen.

Die Spieler des FC Bayern, Frankenstein hin oder her, vertrauten Müller-Wohlfahrt dennoch - und nicht nur die. Ex-Sprinter Usain Bolt (35) widmete seinem "wundervollen Arzt" seine olympischen Goldmedaillen 2016. Ohne seinen "Doc" wäre die Karriere des Supersprinters wohl früher zu Ende gewesen. Auch Boris Becker (54), Katarina Witt (56) oder Sven Hannawald (47) vertrauten sich ihm an.

Doch auch intern fanden wohl nicht alle immer so positive Worte wie Bolt. Gerade bei Bayern-Fans unvergessen bleibt die Fehde mit dem ehemaligen Münchner Trainer Pep Guardiola (51). Der eitle Spanier und der eitle Ostfriese vertrugen sich nicht, im April 2015 und somit nach beinahe 38 Jahren bei den Roten warf Müller-Wohlfahrt schließlich hin.

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Im Jahr 2017, Guardiola war nach Manchester weitergezogen, kehrte er noch einmal zurück.

Ein Jahr später beendete Müller-Wohlfahrt nach 23 Jahren seine Karriere in der Nationalmannschaft, zwei Jahre später zog er sich auch endgültig vom FC Bayern zurück, seine Praxis in der Münchner Altstadt betreibt er allerdings noch bis zum heutigen Tag weiter. Er sei "getrieben", erklärte der Mann mit den sehenden Händen einmal selbst. Ruhestand habe "keinen Sinn", sofern er noch gefragt sei. Für ihn gehe es "immer vorwärts" - auch mit 80 Jahren im Vollsprint.

Titelfoto: Felix Hörhager/dpa

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