Regisseur der Passionsspiele tief besorgt: Kirche wird "völlig bedeutungslos sein"

Oberammergau - Der Regisseur und Theaterintendant Christian Stückl (59) sieht die katholische Kirche in die Bedeutungslosigkeit driften.

Theaterintendant Christian Stückl (59) sieht die Institution Kirche an Substanz verlieren. (Archiv)
Theaterintendant Christian Stückl (59) sieht die Institution Kirche an Substanz verlieren. (Archiv)  © Angelika Warmuth/dpa

"Selbst auf den Dörfern heraußen verliert die Kirche völlig an Substanz. Die Leute gehen nicht mehr in die Messe, sie treten aus der Kirche aus", sagte der Leiter der Oberammergauer Passionsspiele der "Augsburger Allgemeinen" vom Mittwoch.

"Man hat die Kirche eigentlich innerlich schon abgeschrieben." Er sagte zudem: "Kirche ist nicht mehr Teil unserer Gesellschaft."

Stückl, der nach eigenen Worten früher eifriger Kirchengänger war, sagte, es gebe nur noch wenige Priester. Manche hätten so große Pfarrverbände, dass sie keine richtige Seelsorge mehr betreiben könnten. In der Kirche fehlten die ganzen jungen Leute.

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"Aber wenn in den Pfarreien keine Jugendarbeit, keine Jugendseelsorge mehr stattfindet, dann verschwindet sie einfach von der Bildfläche."

Bayern ohne große Kirchen könnte normal werden

Stückl fügte hinzu, man werde sich an ein Bayern ohne große Kirche gewöhnen müssen. "In ein paar Jahren wird Kirche völlig bedeutungslos sein."

Stückl wird die Passion 2022 zum vierten Mal inszenieren - wegen Corona zwei Jahre später als geplant.

Der Ehrenbürger Oberammergaus, der auch Intendant des Münchner Volkstheaters ist, hat die Passion in vieler Hinsicht erneuert. Insbesondere befreite er sie von antisemitischen Zügen.

Titelfoto: Angelika Warmuth/dpa

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