"Der falsche Preuße": Dekadentes Morden im guten alten München

München - Wie weit geht man für die Wahrheit? Was ist man für sie bereit zu opfern? Ehre, Freiheit, Vaterland?

Krimi-Autorin Uta Seeburg schickt einen preußischen Hauptmann auf Verbrecherjagd ins München des 19. Jahrhunderts. (Symbolbild)
Krimi-Autorin Uta Seeburg schickt einen preußischen Hauptmann auf Verbrecherjagd ins München des 19. Jahrhunderts. (Symbolbild)  © Peter Kneffel/dpa

Im 19. Jahrhundert waren das ernsthafte Fragen, und auch Hauptmann Wilhelm von Gryszinski muss sie sich stellen.

Den gar nicht so strammen Preußen hat es ins gar nicht so gemütliche München verschlagen, wo er sich mit einem Fall konfrontiert sieht, der alles hat: König-Ludwig-Hommage, Tropen-Verschwörung, ein opernhaft drapiertes Opfer, obskure Verdächtige und sogar das damalige Sehnsuchtsbild der Trophäenjäger: den blauen Diamanten.

Das alles verwebt die Berlinerin Uta Seeburg, die es wie den Helden ihres Romans "Der falsche Preuße" nach München verschlagen hat, mit Fantasie, Sinn für Ironie und einer lebendigen Schilderung des Alltags Ende des 19. Jahrhunderts zu ihrem Erstlingswerk.

Historische Krimis haben immer noch Konjunktur - allen voran die Zwanziger-Jahre-Romane von Volker Kutscher, Vorlagen für "Babylon Berlin".

Seeburg lässt das alte München detail- und kenntnisreich anklingen, vom Victualienmarkt mit "c" über längst nicht mehr existente Straßen bis hin zu simplen, aber nicht jedem bekannten Details wie dem Zahnsalz, das der Edelmann der Kaiserzeit zu nutzen pflegte, wenn er der neumodischen Zahnpasta misstraute.

Tatort Belle Epoque: Historische Krimis haben immer noch Konjunktur

Das Cover des Buches "Der falsche Preuße" der Autorin Uta Seeburg (undatierte Aufnahme).
Das Cover des Buches "Der falsche Preuße" der Autorin Uta Seeburg (undatierte Aufnahme).  © HarperCollins/dpa

Manches ist auch 125 Jahre später noch aktuell, die Wohnungsnot etwa, manches hat sich verändert, wie die einfachen Viertel, die jetzt zu Münchens teuersten Lagen zählen.

Neben dem 19. Jahrhundert ist die eigentliche Heldin des Buchs die Kriminalistik, die 1894 noch in den Kinderschuhen steckt.

Gespickt mit Zitaten des österreichischen Vaters der Disziplin, Hans Groß, bietet "Der falsche Preuße" dem Leser Informationen über Spurensicherung und Zeugenbefragung in einer Zeit ohne DNA-Abgleich und Fingerabdrücke.

Trotz der illustren Bühne für die Geschichte verliert Seeburg die eigentliche Handlung nicht aus dem Blick.

Gryszinski muss den Mord an einem Bierbeschauer aufklären, der der Gattin eines steinreichen Emporkömmlings schöne Augen gemacht hat und in ihrem Federkleid an der Isar gefunden wird, der Kopf zerfetzt von einer Schrotflintenladung.

Der den jüngst verstorbenen König Ludwig verehrende Gatte wiederum hat sich eine Fantasiewelt in Bogenhausen aufgebaut. Da er auch noch in eine Tragödie um eine Afrika-Expedition zum blauen Diamanten verwickelt und wie Gryszinski Preuße in Bayern ist, wird dieser zum Spion zwischen zwei Fronten.

Uta Seeburg mit aufwendigem Erstlingswerk

Dabei steht er zwischen Berufsehre, Wahrheitsliebe sowie der neuen Heimat auf der einen Seite und dem Vaterland, Rang und Ehre auf der anderen. Keine leichte Entscheidung, zumal Gryszinski mehrfach Verdächtige entwischen und Beweisstücke verloren gehen.

Manches ist hart an der Grenze zum Kintopp, doch langweilig wird es mit dem falschen Preußen nie. Wenn man dann noch sein Wissen über die Kaiserzeit vertiefen kann, ist das mehr, als man über viele historische Krimis sagen kann

Seeburg plant bereits die zweite Ermittlung des jungen Vaters Gryszinski.

Titelfoto: Bildmontage: HarperCollins/dpa, Peter Kneffel/dpa

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