Fake-Werbung gegen Polizei und Politik: Aktivisten melden sich zu Wort

München - Im Rahmen der angemeldeten und genehmigten Proteste gegen das Polizeiaufgabengesetz (PAG) wurden an mehreren Orten illegal Guerilla-Plakate in München aufgehängt. Aktivisten, die in diese Aktion offenbar involviert waren, meldeten sich nun bei TAG24 zu Wort.

In einer Nacht wurden, während ihres Konzerts, von Polizei-Computern aus 83 Mal die Daten von Schlagersängerin Helene Fischer abgerufen.
In einer Nacht wurden, während ihres Konzerts, von Polizei-Computern aus 83 Mal die Daten von Schlagersängerin Helene Fischer abgerufen.  © privat

Am Samstag waren die etwa 40 sogenannte City-Light-Plakate an verschiedenen, überwiegend stark frequentierten Orten aufgetaucht.

Über einen verschlüsselten E-Mail-Service wurden unserer Redaktion verschiedene Fotos sowie ein Pressestatement zugesandt, in dem die Hintergründe der Aktion erklärt werden.

Demnach sollen die beiden Aktivisten-Gruppen "Dies Irae" (dt.: "Tag des Zorns", Anm. d. Red.) und "Polizeiproblem" für die nicht genehmigten Plakate verantwortlich sein.

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Laut dem anonymen Verfasser, der sich offenbar zur Gruppe "Polizeiproblem" zählt, sollte damit "die geplante Änderung im bayrischen Polizeiaufgabengesetz" kritisiert und in den Fokus der Menschen gerückt werden, "die eine unverhältnismäßige Durchleuchtung unbescholtener Bürger zur Folge haben kann".

Die Motive sind in verschiedenen Stilen designet. Beispielsweise erinnert eines der "Werbeplakate" an eine Online-Partnerbörse. Dazu der Text: "Alle 17 Minuten ruft ein Polizist Daten von Helene Fischer ab".

Angespielt wird auf einen Fall bei der Polizei Frankfurt, als am Tag eines Konzerts von Helene Fischer (36) von Polizeicomputern aus 83 Mal die Daten der Sängerin abgerufen wurden.

Der damals zuständige Landespolizeipräsident Udo Münch räumte ein: "Es ist wohl relativ unwahrscheinlich, dass Frau Fischer dort 83 Mal kontrolliert worden ist."

Seehofer wirbt unfreiwillig für die "Augenklappe 'Korpsgeist'"

Diverse Schlagzeilen und Vorwürfe gegen mögliche rassistische Strukturen innerhalb der Polizei werden auf den Plakaten thematisiert.
Diverse Schlagzeilen und Vorwürfe gegen mögliche rassistische Strukturen innerhalb der Polizei werden auf den Plakaten thematisiert.  © privat

Auf einem anderen Plakat "wirbt" Bundesinnenminister Horst Seehofer (72, CSU) unfreiwillig für die "Augenklappe 'Korpsgeist'".

Ihre fragwürdigen Vorteile laut Fake-Plakat: "Die einfache Lösung gegen Rechtsextremismus", "Undurchlässig für Aufklärung" oder "Rechter Rand verschwindet sofort".

"Die bayrische Polizei zeigt wenig Aufklärungswillen, um ihre eigenen Skandale aufzuarbeiten. Wir sind uns sicher, dass Innenminister Joachim Herrmann dieses Produkt lieben wird", wird "Clara Poster" von der Adbusting-Gruppe "Dies Irae" zitiert.

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"Wer kontrolliert eigentlich die Polizei? Wer stellt bitteschön sicher, dass sie auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, statt es mit Füßen zu treten?", ergänzt "Tülay" von der Gruppe "Polizeiproblem" in dem Statement.

Weitere Plakate thematisieren auch die Morddrohungen des sogenannten "NSU 2.0" und weitere Schlagzeilen, die im mutmaßlichen oder nachgewiesenen Zusammenhang mit Polizeibeamten stehen. Die Aktivisten sehen sich in dieser Aktion rechtlich auf einer sicheren Seite.

"Die Werbekästen im öffentlichen Raum wurden mit einem einfachen Steckschlüssel aus dem Baumarkt geöffnet und wieder sachgerecht verschlossen. Dabei entstand kein Sachschaden und es wurden keine Plakate entwendet", heißt es in dem Statement.

Und weiter: "Zwar wurde immer wieder versucht, solche 'Adbusting-Aktionen' zu kriminalisieren, jedoch wurden alle bisher bekannten Verfahren eingestellt."

Unter "Adbusting", einem Begriff der seinen Ursprung vermutlich in der Streetart-Szene hat, versteht man das verändern, verfremden oder verfälschen von Werbung oder Werbeflächen im öffentlichen Raum, um eine neue, meist kritische Botschaft zu senden.

Titelfoto: privat

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