Söder tauscht Gesundheitsminister aus: Huml muss gehen, Holetschek übernimmt

München - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zieht im Kampf gegen die Corona-Pandemie personell die Reißleine.

Melanie Huml (45, CSU) muss den Posten des Gesundheitsministers für Klaus Holetschek (56, CSU) räumen.
Melanie Huml (45, CSU) muss den Posten des Gesundheitsministers für Klaus Holetschek (56, CSU) räumen.  © Bildmontage: Peter Kneffel/dpa, Sven Hoppe/dpa

Söder löst die bisherige Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) ab und ersetzt sie durch deren Staatssekretär und Leiter der Corona-Task-Force Klaus Holetschek (CSU).

Holetschek habe sich zuletzt als Macher erwiesen, auch in Zusammenarbeit mit den Kommunen in Bayern, sagte Söder nach einer Kabinettssitzung am Mittwoch in München.

"Das ist eine souveräne Entscheidung, die mit allen besprochen ist", sagte Söder. "Ich glaube, dass die Aufstellung so die beste ist."

Die Bambergerin Huml, selbst Medizinerin, hatte bereits in einigen Phasen des Anti-Corona-Kampfes eine unglückliche Figur gemacht.

Im August, als es zu einer schweren Panne bei den von Söder propagierten Corona-Tests für Reiserückkehrer gekommen war und positiv Getestete nicht von ihren Testergebnissen erfahren hatten, hatte es bereits Rücktrittsforderungen gegen Huml gegeben.

Zuletzt hatte es Fragen wegen der schleppend begonnenen Impfkampagne in Bayern gegeben. An einigen Stellen war es zu Problemen beim Transport des Impfstoffs gekommen, Senioren hatten sich darüber beschwert, dass keine Impftermine vereinbart werden konnten.

Söder hatte die Corona-Politik mehr und mehr zur Chefsache gemacht. Huml wird künftig als Ministerin in der Staatskanzlei arbeiten. Söder dankte der 45-Jährigen für ihren Einsatz und ihre Leistung.

"Ich schätze die Melanie sehr", sagte Söder.

Update, 14.55 Uhr: Ministerin Melanie Huml - Angezählt und ausgetauscht

Erst angezählt, jetzt ausgetauscht: Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) muss ihren Posten für ihren Staatssekretär und Parteifreund Klaus Holetschek räumen. Sie soll jetzt Europaministerin werden.

Huml (45) ist studierte Ärztin, aus Bamberg und gehört der Staatsregierung seit 2007 an, zunächst als Staatssekretärin. Trotz ihres vergleichsweise jugendlichen Alters zählt sie damit zu den dienstältesten Ministern im bayerischen Kabinett.

Sie hat bereits unter drei Ministerpräsidenten gedient: Günther Beckstein, Horst Seehofer und Markus Söder. Das Gesundheitsressort leitet sie seit 2013. Seit 2017 ist sie auch stellvertretende CSU-Chefin, eine eher dekorative Position ohne Hausmacht.

In ihrer Partei ist kein Geheimnis, dass Huml ihre Spitzenämter auch den parteiinternen Proporzkriterien verdankt: jung, Frau und Fränkin. Im persönlichen Umgang ist Huml freundlich und sachorientiert, eine geborene Lautsprecherin und Selbstvermarkterin ist sie nicht. In der CSU-Fraktion ist sie deswegen einerseits beliebt, gilt aber nicht als Schwergewicht mit großem politischem Gespür.

Im Sommer 2020 geriet Huml wegen ihres Corona-Krisenmanagements erstmals ernsthaft in Bedrängnis. Der Grund: eine schwere Panne bei den Corona-Massentests von Urlaubsrückkehrern. Zehntausende mussten viel zu lange auf ihr Testergebnis warten - darunter auch Hunderte Infizierte mit positivem Test.

Im Nachgang der Panne, die auch Söder selbst viel Kritik, Spott und Häme einbrachte, hatte Huml ihren Rücktritt angeboten - zweimal, wie der Ministerpräsident betonte. Doch er beließ sie im Amt, stellte ihr allerdings damals schon ihren jetzigen Nachfolger Holetschek als Staatssekretär und Leiter der Corona-Task-Force an die Seite.

Huml galt seither als angezählt - jetzt wird sie in die Staatskanzlei versetzt. Neben ihrem neuen Amt als Europa-Ministerin soll sie dort auch den Corona-Stab verstärken.

Titelfoto: Bildmontage: Peter Kneffel/dpa, Sven Hoppe/dpa

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