Mehr antisemitische Vorfälle: Verschwörungsmythen schieben Juden die Schuld an Corona zu

München - Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Bayern ist nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) im Vorjahresvergleich um etwa 40 Prozent gestiegen. 

"Ungeimpft" steht auf einem nachgebildeten Judenstern am Arm eines Mannes, der versucht hatte, sich unter die Teilnehmer einer Corona-Demonstration zu mischen.
"Ungeimpft" steht auf einem nachgebildeten Judenstern am Arm eines Mannes, der versucht hatte, sich unter die Teilnehmer einer Corona-Demonstration zu mischen.  © Boris Roessler/dpa

Grund sei unter anderem die Corona-Pandemie. Nach Rias-Angaben vom Donnerstag wurden im ersten Halbjahr 2020 116 Vorfälle gemeldet. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 83. 

Unter den registrierten Fällen seien verbale Auseinandersetzungen, zehn Sachbeschädigungen und fünf Bedrohungen, hieß es.

"Besorgniserregend ist insbesondere die Zunahme des Antisemitismus aus dem verschwörungsideologischen Spektrum", sagte die Leiterin von Rias Bayern, Annette Seidel-Arpacı. 

Fast die Hälfte der Vorfälle stehe in Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus und Verschwörungstheorien. 

In verbalen Anfeindungen seien beispielsweise Juden für die Corona-Pandemie verantwortlich gemacht worden.

Maßnahmen-Gegner tragen Judensterne: Verharmlosung der Juden-Verfolgung

Außerdem habe es mindestens acht Veranstaltungen gegeben, auf denen Gegner der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie Judensterne getragen hätten. Dies sei "ein Schlag ins Gesicht der jüdischen Bevölkerung Bayerns", sagte Seidel-Arpacı. Denn damit werde die Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus verharmlost. 

Insgesamt registrierte Rias in Bayern 37 solcher Versammlungen, bei denen es zu antisemitischen Vorfällen gekommen sein soll.

Die Meldestelle für Antisemitismus gibt es in Bayern seit 2019. Sie ist beim Bayerischen Jugendring (BJR) angesiedelt und wird vom Sozialministerium finanziert. Ziel ist eine flächendeckende und bundesweit einheitliche Dokumentation antisemitischer Vorfälle.

Titelfoto: Boris Roessler/dpa

Mehr zum Thema München:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0