Draussen feiern trotz Corona: Kommt jetzt das öffentliche Alkoholverbot in Bayern?

München - Ob in München an der Isar, auf dem Nürnberger Tiergärtnertorplatz oder in der Bamberger Altstadt: Die Abstandsregeln halten die Nachtschwärmer oft nicht ein.

Leere Bierflaschen stehen am Flaucher an der Isar auf einem Abfallcontainer.
Leere Bierflaschen stehen am Flaucher an der Isar auf einem Abfallcontainer.  © Lukas Barth/dpa

Aus Sorge vor weiter steigenden Infektionszahlen ermutigt die Staatsregierung die Städte nun ausdrücklich, Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen auszusprechen, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden. 

Kritiker sind aber skeptisch - löst ein Verbot das Problem?

"Gerade junge Leute sitzen in den Ferien sicher nicht daheim", sagt Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. 

Durch die anhaltenden Schließungen von Clubs, Bars und sämtlichen anderen Schankwirtschaften fehle den Menschen die konkrete Anlaufstelle. Überfüllte innerstädtische Plätze seien die Folge. "Es ist nach unserer Sicht extrem wichtig, dass man die Leute weg von der Straße bringt", mahnt Geppert.

Polizei und Ordnungsämter sind laut Innenministerium seit Wochen bayernweit an beliebten öffentlichen Plätzen präsent, besonders am Wochenende. 

Bei "sicherheitskritischen Entwicklungen" - wenn sich etwa spontan Gruppen von Feierlustigen bilden - setze man auf frühzeitiges Einschreiten, Kommunikation und im Einzelfall dann auf Platzverweise. Insgesamt sei die Situation unter Kontrolle.

Alkohol macht leichtsinnig: Regierung in Sorge um Einhaltung der Corona-Maßnahmen

Hunderte Menschen belagern bei sommerlichen Temperaturen die Frühlingsanlagen an der Isar.
Hunderte Menschen belagern bei sommerlichen Temperaturen die Frühlingsanlagen an der Isar.  © Peter Kneffel/dpa

Dennoch treibt die Sorge, dass Leichtsinn und Unbekümmertheit das Verhalten vieler Menschen zunehmend prägen, die Staatsregierung um. 

Im gesamten Freistaat könnten deshalb bald auf öffentlichen Plätzen Alkoholverbote gelten. Für entsprechende Regelungen sind aber die Städte verantwortlich - nicht etwa die Staatsregierung. 

Doch die rät Städten und Landkreisen, im Kampf gegen das Coronavirus entsprechende Verbote zu prüfen.

"Alkohol hat enthemmende Wirkung, die Vernunft lässt nach, die Abstände fallen weg. Deswegen ist ein solches Verbot in meinen Augen der richtige Weg", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kürzlich im Interview mit dem "Münchner Merkur".

In München werde ein Alkoholverbot mit verschiedenen Verantwortlichen aktuell diskutiert, teilt das Kreisverwaltungsreferat (KVR) mit. Der Verkauf von To-Go-Getränken sei in der Landeshauptstadt bislang uneingeschränkt erlaubt. 

Verlagert ein öffentliches Alkoholverbot das Problem auf Privat-Partys?

Ein Polizeiauto fährt in der Münchner Innenstadt durch die Fußgängerzone.
Ein Polizeiauto fährt in der Münchner Innenstadt durch die Fußgängerzone.  © Sven Hoppe/dpa

In Nürnberg gilt hingegen mancherorts an den Wochenenden abends ein Verkaufsverbot für Getränke zum Mitnehmen. 

In Augsburg schließt der Verkauf ebenfalls früher als sonst und Glasflaschen seien in der Innenstadt verboten, sagt ein Sprecher. 

Kritik am geplanten Alkoholverbot im öffentlichen Raum kommt vonseiten vieler Jungpolitiker: Ein pauschales Alkoholverbot greife zu kurz und verlagere das Problem auf Privat-Partys, hieß es jüngst in einer gemeinsamen Mitteilung der Nachwuchsorganisationen mehrerer Parteien. 

"Die Staatsregierung sollte sich vielmehr dafür einsetzen, sichere Plätze für junge Menschen zu schaffen, wo sie sich treffen können", sagte Juso-Landesvorsitzende Anna Tanzer.

Bayerns FDP-Fraktionschef Martin Hagen sprach sich zuletzt zwar für ein konsequentes Eingreifen bei eskalierenden Partys aus, gab aber auch zu bedenken: "Die Gesellschaft braucht Ventile, sonst wird der Druck im Kessel irgendwann zu groß."

Besonders junge Menschen ließen sich nicht langfristig einschränken - bei weiterhin geschlossenen Bars und Clubs müsse "ein Bierchen im Park oder auf öffentlichen Plätzen erlaubt sein", befand Hagen.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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