Anwalt schreit und stürmt auf Richterbank zu, dann wirft er sich mit dem Körper gegen die Beamten

München - Ein Streit in einem Prozess in München ist in einer Rangelei und einem vorübergehenden Hausverbot für den Verteidiger geendet. 

Vor dem Oberlandesgericht in München flippte ein Anwalt aus und stürmte immer wieder auf die Richterbank zu. (Bildmontage)
Vor dem Oberlandesgericht in München flippte ein Anwalt aus und stürmte immer wieder auf die Richterbank zu. (Bildmontage)  © Sven Hoppe/dpa, Sven Hoppe/dpa 

Der Rechtsanwalt sei während der Sitzung immer wieder laut schreiend auf die Richterbank und die Vertreter der Staatsanwaltschaft zugestürmt, teilte das Oberlandesgericht München am Mittwoch mit.

Nachdem die Vorsitzende Richterin während einer Verhandlungspause weitere Justizwachtmeister angefordert hatte, wurde die Sitzung am Dienstag demnach zunächst fortgesetzt. 

Doch der Verteidiger kam immer wieder zur Richterbank, wodurch die Corona-Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden konnten. 

Trotz der Aufforderung, an seinen Platz zurückzukehren, habe sich der Rechtsanwalt mit dem Stuhl des Zeugentischs direkt vor die Richterbank gesetzt.

Als der Mann zum wiederholten Mal an einem Wachtmeister vorbei zur Richterin wollte, warf sich der Anwalt nach Angaben des Gerichts mit dem Oberkörper gegen die Beamten. Er sei danach zu Boden gebracht und mit Handschellen gefesselt worden. Der Verteidiger wurde von den Wachtmeistern aus dem Gerichtsgebäude gebracht und erhielt ein auf Dienstag beschränktes Hausverbot. 

Das Verfahren wurde später mit einer Pflichtverteidigerin fortgesetzt.

Strafverteidiger in München braucht jetzt selbst Anwalt

Der Strafverteidiger war bereits in vorigen Verhandlungen durch lautstarke Zwischenrufe aufgefallen. Jetzt hat er sich selbst juristische Hilfe geholt. Er wolle klären lassen, ob die Beschlagnahmung seines Laptops nach der Rangelei zulässig war, sagte sein Anwalt am Mittwoch.

Sein Mandant möge zwar wegen seiner Arbeitserfahrung in den USA eine "gewöhnungsbedürftige Verteidigungskultur" haben.

"Aber das rechtfertigt nicht, dass man einen Verteidiger misshandelt." Das Verhalten seines Mandanten ziele auch nicht darauf ab, das Verfahren platzen zu lassen.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa, Sven Hoppe/dpa 

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