Statt zum Arzt einfach ins Internet? So läuft die virtuelle Sprechstunde

München/Freising - Ein schneller Austausch von Daten zwischen Ärzten übers Internet, der virtuelle Patientenbesuch per Videosprechstunde.

Dr. Wilhelm Schröttle, Hausarzt und Facharzt für Innere Medizin, Manuelle Medizin und Akupunktur, spricht in seiner Praxis über einen Video-Anruf.
Dr. Wilhelm Schröttle, Hausarzt und Facharzt für Innere Medizin, Manuelle Medizin und Akupunktur, spricht in seiner Praxis über einen Video-Anruf.  © Matthias Balk/dpa

Die Corona-Pandemie hat viele Dinge auf den Kopf gestellt. Bei den Ärzten im Freistaat wirkt sie vor allem auch als Treiber der Digitalisierung. 

Die Telemedizin, also der Einsatz von Telekommunikation und Informatik zur Diagnose, Therapie und Vorsorge im Gesundheitswesen, erlebt einen deutlichen Aufschwung.

Großen Anteil daran hat die Videosprechstunde. Der Freisinger Hausarzt Wilhelm Schröttle etwa hat sich mit Beginn der Pandemie erstmals dazu entschlossen, auch per Video mit seinen Patienten in Kontakt zu treten. 

"Wenn ich einen Patienten bereits kenne, ist ein Gespräch auch gut über Video möglich", sagt Schröttle. Ihm war es außerdem wichtig, so auch seine Angestellten vor möglichen Corona-Infektionen zu schützen, sagt er. 

Ende Juli boten bereits 7000 Ärzte und Psychotherapeuten in Bayern die Videosprechstunde an, wie eine Auswertung von Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern durch die Techniker Krankenkasse (TK) ergab.

Telemedizin: Gesundheitswesen vernetzt sich

Dr. Wilhelm Schröttle kommuniziert mit seinen Patienten teilweise über das Internet.
Dr. Wilhelm Schröttle kommuniziert mit seinen Patienten teilweise über das Internet.  © Matthias Balk/dpa

Die hohe Popularität hat dabei auch finanzielle Gründe. Eine Videosprechstunde könne mittlerweile wie ein persönliches Gespräch in der Praxis abgerechnet werden, sagt Schröttle.

Die Krankenkassen haben hier einen finanziellen Anreiz gesetzt, um den Ausbau zu beschleunigen. Zudem soll es nach Auslaufen der Übergangsregelung der Krankschreibung per Telefon dauerhaft möglich sein, sich auch in einer Videosprechstunde krankschreiben zu lassen. Vorausgesetzt, Arzt und Patient sind einander bekannt und die Erkrankung lässt eine Untersuchung per Video zu, wie etwa die TK betont.

Doch auch abseits der Videosprechstunde schreitet die Digitalisierung in den Arztpraxen und Krankenhäusern in Bayern voran. Ein weiterer Baustein beim digitalen Schulterschluss mit seinen Patienten ist für Hausarzt Schröttle ein Online-Anamnese-Bogen, mit dem Patienten Vorerkrankungen und Gesundheitsdaten online an die Praxis übermitteln können.

So erhält er schnell und ohne zusätzlichen Aufwand Informationen seiner Patienten, die er zum Beispiel auch mit Kollegen für gemeinsame Diagnosen nutzen kann. Auch Labordaten erhält und überträgt Schröttle bereits seit langem digital.

Die Rückmeldungen seiner Patienten zu den digitalen Angeboten der Praxis seien dabei fast durchweg positiv. Lediglich Menschen über 70 Jahren erreiche er etwa mit der Videosprechstunde nicht, sagt Schröttle.

Corona treibt Digitalisierung in Arztpraxen voran

Der Austausch über Video-Anruf schützt das Praxen-Personal vor Infektionen.
Der Austausch über Video-Anruf schützt das Praxen-Personal vor Infektionen.  © Monika Skolimowska/ZB/dpa

Um die Akzeptanz der Arztkontakte übers Internet weiter zu erhöhen, wünscht sich der Hausarzt vor allem eine bessere Aufklärung. 

Einige seiner Patienten seien skeptisch in Bezug auf den Datenschutz. Dabei seien die Arztanwendungen alle verschlüsselt, der Datenschutz viel besser als bei den meisten Apps, die viele Menschen privat nutzten, sagt Schröttle.

Neben den zahlreichen Arztpraxen spielt die Telemedizin auch an den Krankenhäusern in Bayern eine bedeutende Rolle. Auch hier steht aktuell der Austausch mit Patienten über Video im Fokus.

Dass die Nutzung der Videosprechstunde in Bayern "massiv zugenommen" habe, begrüßt auch das Gesundheitsministerium ausdrücklich. 

In den Hochzeiten der Pandemie haben zum Beispiel Ärzte am Uniklinikum München bis zu 200 Videotelefonate pro Tag geführt. Inzwischen seien es noch rund 30 täglich, wie eine Sprecherin des Klinikums mitteilt.

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

Mehr zum Thema München:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0