Fast vier Millionen Euro Schaden in einer Nacht: Sollte Feuerwerk verboten werden?

München - Es sind mit die größten Streitfragen an jedem Jahresende: Muss an Silvester geböllert werden? Braucht es wirklich so viel Feuerwerk? Die Statistik spricht eine klare Sprache, nicht nur finanziell.

euerwerksraketen explodieren über der Landeshauptstadt rund um die Frauenkirche in der Silvesternacht.
euerwerksraketen explodieren über der Landeshauptstadt rund um die Frauenkirche in der Silvesternacht.  © Felix Hörhager/dpa

Trotz erstmaliger Feuerwerksverbote in einigen bayerischen Großstädten und Kommunen ist beim vergangenen Jahreswechsel wieder ein Millionenschaden mit vielen Verletzten entstanden. 

Nach Angaben des Innenministeriums wurden den Behörden in der Silvesternacht 2019/2020 exakt 201 Brände gemeldet, die durch Feuerwerk verursacht wurden. 

Dabei wurden neun Personen verletzt - teils lebensgefährlich und der Sachschaden betrug nach Angaben des Innenministeriums fast vier Millionen Euro (3,973 Euro).

Dies geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hervor. Damit entstand in Summe deutlich mehr Sachschaden als in den Silvesternächten der Vorjahre. 

Beim Jahreswechsel 2018/2019 verzeichneten die Behörden 140 Brände mit drei Verletzten und rund 1,6 Millionen Euro Schaden, 2017/2018 waren es 135 Brände, sieben Verletzte und knapp 920.000 Euro Schaden.

Grüne wollen Feuerwerk verbieten lassen

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, spricht im bayerischen Landtag während einer Plenarsitzung. (Archivbild)
Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, spricht im bayerischen Landtag während einer Plenarsitzung. (Archivbild)  © Sven Hoppe/dpa

Für die Chefin der Grünen-Fraktion, Katharina Schulze, belegen die Zahlen eindeutig die "unschönen Begleiterscheinungen" eines aus der Zeit gefallenen Rituals. 

"Wir sollten jetzt endlich Konsequenzen ziehen und diese gefährliche und vor allem für unsere Kinder gesundheitsschädliche Silvester-Böllerei deutlich einschränken. Wo es geht, sollten Städte und Gemeinden zentrale Feuerwerke anbieten und dafür private Kracher und Raketen verbieten."

Erstmals galt in der vergangenen Silvesternacht unter anderem in den Innenstädten von München und Augsburg ein striktes Feuerwerksverbot. Nach Polizeiangaben wurde das Verbot weitgehend akzeptiert. In anderen Städten - etwa in Nürnberg - gab es an bestimmten Orten ein Verbot. In München wurde dennoch vereinzelt Pyrotechnik gezündet. In Augsburg war eine Hundertschaft der Polizei zur Kontrolle im Einsatz.

Neben den direkten Verletzten durch die Brände wurden den Angaben des Ministeriums zufolge in der vergangenen Silvesternacht auch 25 weitere Personen, 20 Polizisten, zwei Rettungssanitäter und ein Mitglied der Feuerwehr verletzt. 

Insgesamt registrierte die Polizei 22 Übergriffe auf Einsatzkräfte. In den vergangenen beiden Jahren lag die Zahl der weiteren Verletzten mit 55 (2018/2019) und 51 (2017/2018) sogar noch höher als beim jüngsten Jahreswechsel.

Verletzte, Schäden und Müllberge: Feuerwerk wird zur Streitfrage

Auch der Müll, der nach den Silvesterfeiern auf Straßen und Plätzen liegen bliebt, ist seit Jahren ein Ärgernis. 

Alleine in München waren es rund 55 Tonnen, in Nürnberg 15 bis 20 Tonnen und in Würzburg immerhin noch 5,4 Tonnen. In vielen Städten wurden zudem vielerorts deutlich erhöhte Feinstaubwerte gemessen. Erst am 3. Januar hätten die Werte "größtenteils wieder auf einem für die Witterung üblichen Niveau" gelegen, teilte das Ministerium mit.

"Während die Mehrheit der Deutschen private Silvesterfeuerwerke vor allem in unseren Städten mittlerweile hochkritisch sieht, schlagen einige Unverbesserliche beim Böllern immer mehr über die Stränge", betonte Schulze. Angesichts der verletzten Polizei- und Rettungskräfte müsse die Staatsregierung endlich ein umfangreiches Maßnahmenpaket zum Schutz von Rettungs- und Polizeikräften auflegen. 

"Wir fordern zielgruppenspezifische Alkohol- und Gewaltprävention und Deeskalations- und Selbstverteidigungstraining sowie flächendeckende Beratungsangebote für Opfer. Außerdem müssen endlich die Zahlen konsequent erfasst werden, um das Dunkelfeld aufzuklären."

Titelfoto: Felix Hörhager/dpa

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