Gedämpfte Begeisterung für Pop-up-Radwege in Bayern: Was ist schlecht an mehr Platz für Radfahrer?

München - Im Corona-Sommer 2020 waren Pop-up-Radwege vielerorts im Trend. Städte wie München, Würzburg, Nürnberg oder Fürth richteten vorübergehende Fahrspuren entlang normaler Straßen ein, um den vielen Radlern eine gute und sichere Fahrt zu bieten.

Radfahrer sind auf einem abgesperrten Stück Straße als Pop-up-Radweg unterwegs.
Radfahrer sind auf einem abgesperrten Stück Straße als Pop-up-Radweg unterwegs.  © Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

Dieses Jahr ist von der anfänglichen Begeisterung noch nicht viel zu spüren. Die Stadt Nürnberg etwa will keine neuen Pop-up-Radwege ausweisen, andere Kommunen überlegen. Nur die Stadt München teilt mit: "Die Pop-up-Radwege des Vorjahres sollen ab April 2021 zurückkommen".

"Die Erfahrung aus dem letzten Jahr hat gezeigt, dass Bayern hier insgesamt sehr zögerlich unterwegs ist", sagte eine Sprecherin des Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC) Bayern.

Wegen Corona waren sehr viele Menschen aufs Rad umgestiegen, auch aus Angst, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln anzustecken.

Die Radinfrastruktur in Deutschland hält der ADFC für veraltet, unzureichend und lückenhaft. An Geld fehle es nicht, Bund und Land stellten für den Radwegebau Rekordsummen zur Verfügung. Es fehle aber an Personal, um zu planen und die Gelder abzurufen.

Überdies sind Pop-up-Radwege für den ADFC nur der erste Schritt: "Wichtig ist, dass sie in einem späteren Schritt ordentlich und dauerhaft gebaut werden. Dafür muss der PKW-Verkehr Platz abgeben."

Gemischte Meinung über Radwege in Bayern, München hält an Pop-up-Konzept fest

Die sogenannten Pop-up-Radwege kamen nicht überall in Bayern gut an.
Die sogenannten Pop-up-Radwege kamen nicht überall in Bayern gut an.  © Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

Nicht in jeder Kommune kamen die temporären Radlrouten gut an. "Pop-up-Radwege haben sich nur begrenzt bewährt", sagte etwa der Nürnberger Baureferent Daniel Ulrich. Sie seien eher ein politisches Signal, als dass sie zur nachhaltigen Umgestaltung des öffentlichen Raums betragen.

Die Stadt hatte im Westen eine Spur der Rothenburger Straße auf mehr als einem Kilometer Länge abgetrennt. Dass dort nur wenige Radfahrerinnen und Radfahrer unterwegs waren, führt Ulrich auch darauf zurück, dass das Radwegenetz dort große Lücken hat und dass die Bevölkerungsdichte geringer ist. Zudem habe die Radspur den Autoverkehr stärker gestört als erwartet.

In Würzburg setzt der Planungs- und Umweltausschuss lieber auf dauerhafte Maßnahmen, auch mit Blick auf die durch die Coronakrise angespannte Haushaltslage. Um die Zeit bis zur Fertigstellung etwa von Radwegen zu überbrücken, will die Stadt trotzdem etwas für die Radler tun. An besonders stark befahrenen Strecken werde man Ad-hoc-Maßnahmen kurzfristig umsetzen, hieß es.

Traunstein hatte ebenfalls Popup-Radwege. Momentan sei eine erneute Einrichtung nicht vorgesehen, hieß es von der Stadtverwaltung. Es sei aber ein Radverkehrskonzept geplant. Informationen dazu soll es am 11. März in der öffentlichen Sitzung des Planungsausschusses geben. Für Radler geplant wird auch in Regensburg. Bis zum Jahresende werde die Stadt ein Hauptradroutenkonzept erarbeiten, teilte die Verwaltung mit. Pop-up-Radwege seien dagegen nicht geplant. Die Straßenräume in Regensburg ließen solche Maßnahmen oft nicht zu.

Positiv waren dagegen die Erfahrungen in München, auch weil die Stadt die Spuren auf Routen eingerichtet hatte, auf denen es bis dahin zum Teil noch gar keine Fahrradwege gegeben hatte. Bis zu 25 Prozent mehr Radler waren laut ADAC ab März in München unterwegs, als in den Vorjahren. Auf einigen der temporären Routen habe sich der Radverkehr mehr als verdoppelt.

Am 17. März wird sich der Mobilitätsausschuss mit den Pop-up-Radwegen beschäftigen, eine Woche später die Vollversammlung des Münchner Stadtrats.

Titelfoto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

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