Warten auf das Corona-Testergebnis: Deshalb dauert es in Bayern länger

München - Nach Klagen über verzögerte Corona-Testergebnisse von Autobahnstationen soll in Bayern zum Ende der Sommerferien mehr Personal in den Testzentren helfen. 

Eine Frau hält ihr Smartphone in die Kamera, mit dem sie sich zuvor am Münchner Flughafen für den Corona-Test angemeldet hat.
Eine Frau hält ihr Smartphone in die Kamera, mit dem sie sich zuvor am Münchner Flughafen für den Corona-Test angemeldet hat.  © Peter Kneffel/dpa

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München räumte am Samstag ein, dass es in "Einzelfällen" Verspätungen von Befundübermittlungen gebe. 

Allgemein würden aber nach Angaben des Betreibers Eurofins mehr als 90 Prozent der Ergebnisse innerhalb von 48 Stunden übermittelt. Eurofins habe seine Kapazitäten nochmals erhöht. Auch die Bundeswehr soll bei der Probeentnahme helfen. 

Betroffene hatten von tagelangem Warten auf das Ergebnis berichtet. 

Bei den verzögerten einzelnen Fällen seien unter anderem weitere Laboranalysen notwendig, da die ersten Befunde kein eindeutiges Ergebnis gebracht hätten, betonte der Sprecher. 

"Grund dafür kann zum Beispiel die vorherige Anwendung von Nasenspray, der Konsum von Alkohol oder bestimmter Lutschpastillen bei der Testperson gewesen sein." 

Eine weitere Ursache könnten auch Fehler bei E-Mail-Adressen und Telefonnummern sein. Diese Verzögerung in zehn Prozent der Fälle sei ein Durchschnittswert der vergangenen Wochen, betonte er am Sonntag. 

Nach Flughäfen nun auch lange Wartezeiten an Autobahnen

Ein Schild weist am Münchner Flughafen auf die Möglichkeit zur Durchführung von kostenlosen Corona-Tests hin.
Ein Schild weist am Münchner Flughafen auf die Möglichkeit zur Durchführung von kostenlosen Corona-Tests hin.  © Matthias Balk/dpa

Mit der Panne von Mitte August, wo rund 40.000 Menschen auf ihr Ergebnis von Autobahn-Testzentren warteten, sei das nicht zu vergleichen.

Vergangene Woche waren dann zudem Probleme an den Teststationen an Flughäfen des Landes bekannt geworden. Dort hatte es Verzögerungen in rund 10.000 Fällen gegeben. Diese Probleme seien mittlerweile behoben, alle Befunde übermittelt, sagte der Ministeriumssprecher.

Die Schule beginnt in Bayern am Dienstag wieder. Jetzt berichteten Betroffene von Ärger an den Autobahnstationen. So erzählte eine Frau dem Bayerischen Rundfunk von der Überlastung des Betreibers Eurofins. Ihr sei mitgeteilt worden, dass die Auswertung sieben Tage dauere. Ähnliche Berichte lagen auch der dpa vor.

Auch bei der Hotline von Eurofins hieß es, man müsse bis zu sieben Tage auf sein Ergebnis warten. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gehe diesen Berichten nach, sagte der Ministeriumssprecher. Eurofins war am Wochenende für keine Stellungnahme zu erreichen.

Eigentlich sollen die Ergebnisse der Corona-Tests innerhalb von 48 Stunden vorliegen. In Bayern können sich Reiserückkehrer sowohl an drei Autobahnenstellen als auch an Bahnhöfen und den Flughäfen in München, Nürnberg und Memmingen kostenlos testen lassen.

"Safety first": Markus Söder hält mit seiner Regierung am Testkonzept fest

Markus Söder (53, CSU), Ministerpräsident von Bayern, spricht auf einer Pressekonferenz.
Markus Söder (53, CSU), Ministerpräsident von Bayern, spricht auf einer Pressekonferenz.  © Peter Kneffel/dpa Pool/dpa

Ärzte hatten ein "ungezieltes" Testen mit zu langen Wartezeiten kritisiert.

Ministerpräsident Markus Söder lehnte es strikt ab, vom vorsichtigen Anti-Corona-Kurs abzurücken. Die Zahlen auch in Bayern schienen sich wieder zu stabilisieren, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

"Aber um uns herum gibt es wieder exponentielle Entwicklungen. In Spanien, Frankreich, Tschechien oder Italien sind es die höchsten Zahlen seit Mai", warnte der CSU-Chef, ohne konkret auf die Pannen Bezug zu nehmen. Und das Robert Koch-Institut weise fast täglich neue Risikogebiete aus. "Deswegen muss unser Maßstab bleiben: Safety first – und Geduld."

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) verteidigte die umstrittene Test-Strategie. "Es geht nicht um irgendwelche sinnlosen Massentestungen", sagte sie. Menschen mit Symptomen sollten mit Priorität getestet werden. Aber auch wer mit einem "leichten Kratzen im Hals" seine Großmutter besuchen und sie nicht anstecken wolle, solle die Chance haben, sich kostenlos testen zu lassen.

In Bayern gab es bisher rund 59.000 bestätigte Infektionen, von Freitag auf Samstag kamen 397 neue Fälle hinzu.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa, Peter Kneffel/dpa Pool/dpa

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