Großveranstaltungen verboten: Muss das Oktoberfest abgesagt werden? 

München - Das neuartige Coronavirus breitet sich immer weiter aus. In Bayern zieht die Staatsregierung nun drastische Konsequenzen für Großveranstaltungen (TAG24 berichtete).

Bei den Massen auf dem Oktoberfest dürfte auch kein Desinfektionsmittel mehr helfen. (Bildmontage)
Bei den Massen auf dem Oktoberfest dürfte auch kein Desinfektionsmittel mehr helfen. (Bildmontage)  © Felix Hörhager/dpa, Matthias Balk/dpa

Das Coronavirus hat bei den Wiesnwirten in München bisher keine Auswirkung auf die Vorbereitungen für das Volksfest. Nicht zuletzt sei es zum Oktoberfest noch ein halbes Jahr hin, sagte Wirtesprecher Peter Inselkammer der Deutschen Presse-Agentur. 

"Ich bin optimistisch, dass wir bis dahin das Gröbste überstanden haben." Die Reservierungsanfragen liefen bisher völlig normal.

Ähnlich äußerten sich auch andere Wiesnwirte. "Wir haben mit den Reservierungen angefangen und bisher keine einzige Absage bekommen", sagte der Wirt Ludwig Reinbold vom Schützenfestzelt. 

Sollte das Fest verschoben werden oder ausfallen, greifen voraussichtlich Versicherungen. Die Wirte sind individuell gegen Betriebsunterbrechung versichert.

Schon im 19. Jahrhundert war das Oktoberfest wegen einer Seuche ausgefallen: Wegen der Cholera wurde das Fest in den Jahren 1854 und 1873 abgesagt. 

Außerdem gab es in den Kriegs- und Nachkriegsjahren keine Oktoberfeste. So feierte München von 1914 bis Kriegsende nicht. Nach dem Krieg, dem Sturz der Monarchie und der Niederschlagung der Räterepublik fanden 1919 und 1920 zwar kleine Herbstfeste statt, die aber nicht als Oktoberfeste zählen. 

Auch während des Zweiten Weltkriegs gab es keine Wiesn. Insgesamt fielen 24 Oktoberfeste wegen Krankheiten, Kriegen und Inflation aus. Heute lockt das größte Volksfest der Welt alljährlich während der zwei Festwochen rund sechs Millionen Besucher an.

Update 13.20 Uhr: Staatliche Theater, Konzertsäle und Opern bis 19. April zu

Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus schließt der Freistaat Bayern von diesem Mittwoch (11. März) an bis zum 19. April alle staatlichen Theater, Konzertsäle und Opernhäuser. 

Das teilte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach der Kabinettssitzung am Dienstag in München mit.

Coronavirus könnte Oberammergauer Passionsspiele gefährden

Der Regisseur Christian Stückl steht mit Darstellern bei der ersten Probe für die Oberammergauer Passionsspiele auf der Bühne.
Der Regisseur Christian Stückl steht mit Darstellern bei der ersten Probe für die Oberammergauer Passionsspiele auf der Bühne.  © Ursula Düren/dpa

Die Sorgen wegen der Ausbreitung des Coronavirus haben auch Oberammergau erreicht: Dort laufen die Vorbereitungen auf die Premiere der nur alle zehn Jahre aufgeführten Passionsspiele

"Stand heute gehen wir davon aus, dass die Premiere stattfinden kann", sagte Sprecher Frederik Mayet am Dienstag.

Mit der Ankündigung der Staatsregierung, zunächst bis Karfreitag Veranstaltungen mit mehr als 1000 Gästen zu untersagen, gebe es allerdings eine neue Situation. 

"Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Maßnahme über den 10. April hinaus verlängert wird. Das würde dann langsam in den Zeitraum der Premiere fallen. Auf diese Situation müssen wir uns vorbereiten."

Ein mögliches Szenario könne sein, die Premiere zu verschieben. "Das sind Möglichkeiten, die jetzt durchgedacht werden", sagte Mayet. Bis 4. Oktober sind rund 100 Vorstellungen geplant, knapp eine halbe Million Gäste aus aller Welt werden erwartet.

Derzeit laufen die Fotoaufnahmen für den Bildband. Volksproben mit mehreren Hundert Menschen auf der Bühne seien deshalb derzeit ausgesetzt. Rund 2400 Oberammergauer spielen mit, etwa die Hälfte der Einwohner. Die Passion ist für den Ort auch finanziell wichtig - sie spielt zweistellige Millionenbeträge ein. Verluste seien zunächst aber nicht zu befürchten, sagte Mayet. Die bisherigen Vorbereitungen kosteten 15 Millionen Euro, versichert seien 25 Millionen Euro.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Passion verschoben wird. Vor hundert Jahren, 1920, wurde sie wegen der Folgen des Ersten Weltkiegs verschoben und erst 1922 aufgeführt. 1870 musste das Spiel wegen des Krieges gegen Frankreich unterbrochen werden, es wurde 1871 fortgesetzt.

Titelfoto: Felix Hörhager/dpa, Matthias Balk/dpa

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