Corona-Angst in der Wahlkabine? Hohes Interesse an Briefwahl

München – Das Interesse an der Briefwahl ist vor den Kommunalwahlen in Bayern sehr groß. 

Da braucht man Platz zum Wählen: Ein Stimmzettel zur Kommunalwahl 2020.
Da braucht man Platz zum Wählen: Ein Stimmzettel zur Kommunalwahl 2020.

Vielerorts übertraf eine Woche vor der Wahl die Zahl der Briefwahlanträge die Zahl der Briefwähler bei den Kommunalwahlen 2014. Das ergab eine dpa-Umfrage in zehn Städten.

So wurden etwa in Augsburg zum Ende der vergangenen Woche bereits rund 40.600 Briefwahlanträge gestellt. Bei der Wahl 2014 seien es letztlich rund 27.680 Briefwähler gewesen, teilte eine Sprecherin der Stadt mit. 

Ähnlich hohe Zahlen melden die Städte München, Nürnberg, Landshut, Würzburg, Regensburg, Ingolstadt, Schweinfurt, Bamberg und Straubing. Die Zahlen bilden dabei den seit mehreren Jahren bestehenden Trend zu mehr Briefwählern ab.

Einen Zusammenhang des großen Interesses an der Briefwahl mit dem Coronavirus sieht man bei den meisten der angefragten Städten hingegen nicht. Er verstehe die Sorgen, die sich manche wegen der täglich neuen Meldungen machten, teilte der Wahlleiter in München mit. Doch diese seien unbegründet. In allen Wahllokalen gebe es die Möglichkeit zur Handdesinfektion.

Das Innenministerium teilte mit, jeder könne bei der Stimmabgabe einen eigenen Stift benutzen statt des vor Ort ausgegebenen. 

Zudem wies das Ministerium darauf hin, dass es für Erkrankte bis 15 Uhr am Wahltag möglich sei, Briefwahl zu beantragen. "Niemand sollte sich davon abhalten lassen, wählen zu gehen", so Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Infektiologe: Keine besondere Ansteckungsgefahr in Wahlkabine

Eine Frau hält die Briefwahlunterlagen für die Kommunalwahl 2020 in der Hand, um diese in einen Briefkasten einzuwerfen.
Eine Frau hält die Briefwahlunterlagen für die Kommunalwahl 2020 in der Hand, um diese in einen Briefkasten einzuwerfen.  © Felix Hörhager/dpa

Eine Ansteckung mit dem neuartigen Erreger Sars-CoV-2 wie auch mit Erkältung oder Grippe in der Wahlkabine sei unwahrscheinlich, sagte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene DGKH, Peter Walger. "Es bilden sich ja üblicherweise keine Schlangen vor den deutschen Wahlkabinen."

Allerdings sollten hier wie auch sonst im öffentlichen Leben Vorsichtsmaßregeln gelten, sagte der Infektiologe. Regelmäßiges Händewaschen verhindere, dass man Keime an die Schleimhäute der Atemwege bringe und sich darüber infiziere.

Wegen der Tröpfcheninfektion sollte Abstand von anderen Menschen gehalten werden. "Man sollte im öffentlichen Leben möglichst den Zwei-Meter-Abstand einhalten, und wer infiziert ist, im öffentlichen Leben aus Rücksicht auf den anderen den Kontakt reduzieren", sagte Walger. 

Nur wer erkältet ist, solle einen Mundschutz tragen - zum Schutz der Anderen. Hier genüge ein gewöhnlicher Mundschutz. Wer keinen zur Hand habe, könne sich mit einem Schal oder Tuch behelfen.

Bei den bayerischen Kommunalwahlen werden am nächsten Sonntag (15. März) in 24 der 25 kreisfreien Städte die Oberbürgermeister und in 64 der 71 Landkreise die Landräte gewählt.

Titelfoto: Felix Hörhager/dpa

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