Bayerische Impfzentren vor Marathon: Ab April 111.000 Impfungen am Tag geplant!

München - Nach wochenlangen Anlaufschwierigkeiten wegen fehlenden Impfstoffs soll die bayerische Impfkampagne in den kommenden Wochen auf Hochtouren laufen.

Ein Schild am Straßenrand weist den Münchnern, die mit dem Auto anreisen, den Weg zum Impfzentrum, das in einer Halle der Messe Riem untergebracht ist.
Ein Schild am Straßenrand weist den Münchnern, die mit dem Auto anreisen, den Weg zum Impfzentrum, das in einer Halle der Messe Riem untergebracht ist.  © Peter Kneffel/dpa

Die 100 bayerischen Impfzentren sollen ihre Kapazität von April an auf 111.000 Impfungen am Tag mehr als verdoppeln, wie Gesundheitsminister Klaus Holetschek (56, CSU) ankündigte.

Das würde dann eine Million Impfungen alle neun Tage bedeuten, und pro Impfzentrum im rechnerischen Schnitt 1110 Impfungen am Tag.

"Unser Ziel ist es, so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich zu impfen", sagte ein Ministeriumssprecher am Wochenende.

Fachleute im Gesundheitswesen halten die von Holetschek geplanten schnellen Massenimpfungen für durchaus machbar.

In der Landesärztekammer aber gibt es Zweifel, ob das allein in den Impfzentren zu bewältigen ist. "Spätestens, wenn in absehbarer Zeit genügend Impfstoff zur Verfügung steht, kann eine flächendeckende Impfung nur durch die Praxen der niedergelassenen Ärzte und hier in erster Linie durch die hausärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen geleistet werden", sagte ein Sprecher der bayerischen Landesärztekammer.

Doch ob und wann auch Bayerns Hausärzte in ihren Praxen impfen dürfen, ist offen. Derzeit gibt es lediglich Pilotprojekte. "Für den Einsatz der Hausärzte im Rahmen der Regelversorgung bedarf es einer entsprechenden Regelung im Rahmen der Nationalen Impfstrategie", sagte der Ministeriumssprecher dazu.

"Dazu lassen sich derzeit noch keine Prognosen abgeben."

EU inklusive Bayern liegt weit hinter Großbritannien zurück

Klaus Holetschek (56, CSU), Staatsminister für Gesundheit und Pflege, gibt ein Statement ab.
Klaus Holetschek (56, CSU), Staatsminister für Gesundheit und Pflege, gibt ein Statement ab.  © Peter Kneffel/dpa

Die bayerische Krankenhausgesellschaft begrüßt die Pläne des Gesundheitsministers: "Ich finde es gut, dass Minister Holetschek den Impfturbo angekündigt hat", sagt Geschäftsführer Roland Engehausen. "In einigen Wochen werden wir so viel Impfstoff haben, dass wir zusehen müssen, wie wir alles gut und geordnet verimpfen können."

In den vergangenen Wochen sei die Diskussion sehr von den Impfvordränglern geprägt worden - "dies wird bald vermutlich keine Rolle mehr spielen müssen". Die Krankenhäuser sind nach Engehausens Worten ebenfalls zur Unterstützung bereit, sobald möglich.

Seit dem Impfstart am 27. Dezember bis zum Freitag hatte es in Bayern nach Zahlen des Gesundheitsministeriums 995.312 Impfungen gegeben, davon 335.433 Zweitimpfungen.

In den vergangenen Tagen hat sich das Tempo im Vergleich zum schleppenden Start schon stark erhöht: Allein von Dienstag bis Freitag wurden nach den Zahlen des Ministeriums knapp 100.000 Impfungen gemeldet. Nun peilt Holetschek mit seinem "Impfturbo" eine weitere Vervielfachung an.

Die zentrale Frage wird sein, ob verlässlich ausreichende Mengen Impfstoff in Bayern ankommen. "Langfristige Zahlen bis zum Herbst liegen uns derzeit nicht vor", sagte ein Ministeriumssprecher. "Bis April werden rund 1,8 Millionen Impfdosen für Bayern erwartet." Bisher geliefert sind knapp 1,3 Millionen Dosen, von denen ein beträchtlicher Teil noch nicht verwendet wurde.

Bisher ist die EU inklusive Bayern bei den Impfungen nach wie vor sehr viel langsamer als Großbritannien: Im Vereinigten Königreich waren bis zum Mittwoch demnach 28,5 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht, in der EU erst 6,7.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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