Treffen mit Freunden, große Familienfeiern: Neue Lockerungen in Bayern

München - Die Anti-Corona-Maßnahmen in Bayern sollen weiter gelockert werden: Künftig sollen sich im öffentlichen Raum wieder bis zu zehn Personen treffen dürfen - bislang sind solche Treffen auf Angehörige zweier Haushalte beschränkt.

Um mehr Abstand voneinander einhalten zu können, findet die Kabinettssitzung unter der Leitung von Markus Söder (Mitte oben,53, CSU), im großen Kuppelsaal der bayerischen Staatskanzlei statt.
Um mehr Abstand voneinander einhalten zu können, findet die Kabinettssitzung unter der Leitung von Markus Söder (Mitte oben,53, CSU), im großen Kuppelsaal der bayerischen Staatskanzlei statt.  © Peter Kneffel/dpa

Darauf und auf eine ganze Reihe weiterer Lockerungen verständigte sich der Koalitionsausschuss von CSU und Freien Wählern am späten Montagabend in München, wie die Deutsche Presse-Agentur anschließend aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Demnach steht auch größeren privaten Feiern und Veranstaltungen in Bayern bald nichts mehr im Wege: Ab kommenden Montag (22. Juni) sollen in Gaststätten wieder Hochzeits- und andere Feiern stattfinden dürfen - mit bis zu 50 Personen in Innenräumen oder 100 Personen im Freien. 

Gaststätten und Biergärten sollen nach Angaben aus Koalitionskreisen künftig bis 23 Uhr statt wie bisher nur bis 22 Uhr offen bleiben dürfen. Wellness-Bereiche in Hotels sollen wieder öffnen dürfen und Busreisen im Freistaat wieder zugelassen werden.

Nach drei Monaten soll demnach auch der Katastrophenfall beendet werden. Diesen hatte die Staatsregierung Mitte März ausgerufen, um sich im Kampf gegen die damals rasche Ausbreitung des Coronavirus Steuerungs-, Eingriffs- und Durchgriffsmöglichkeiten zu sichern.

Formal sollen alle Schritte in einer Kabinettssitzung am Dienstag beschlossen werden. 

Ministerpräsident Markus Söder, Staatskanzleichef Florian Herrmann (beide CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) wollen anschließend über die Details informieren. 

An der Maskenpflicht solle allerdings nicht gerüttelt werden, hieß es.

Update 13.05 Uhr: Bayern lockert Anti-Corona-Kontaktbeschränkungen

Die Anti-Corona-Maßnahmen in Bayern werden weiter gelockert: Ab diesen Mittwoch (17. Juni) dürfen sich im öffentlichen Raum wieder Gruppen von bis zu zehn Personen treffen - bislang waren solche Treffen auf Angehörige zweier Haushalte beschränkt. 

In privaten Räumen und Gärten gibt es dann gar keine zahlenmäßige Beschränkung mehr. 

Das beschloss das Kabinett am Dienstag in München - gemeinsam mit einer ganzen Reihe weiterer Lockerungen etwa für Gastronomie, Kultur und Handel.

Update 13.15 Uhr: Ein Funke reicht laut Söder und Corona-Pandemie flammt wieder auf

Trotz der massiv gesunkenen Fallzahlen sieht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Corona-Pandemie weiter als Gefahr. "Corona ist nicht besiegt", sagte er am Dienstag nach der Sitzung des Kabinetts in München. 

Am Beispiel China zeige sich, wie schnell die Infektionen wieder zurückkommen könnten. "Ein Funke reicht und die ganze Steppe brennt", sagte der CSU-Chef.

In Bayern sei die Tendenz weiter sehr positiv, in den vergangenen sieben Tagen seien in 50 Landkreisen und kreisfreien Städten keine neuen Infektionen registriert worden, betonte Söder. Gleichwohl dürfe es nicht zu einer falsch empfundenen Sicherheit führen, die "zweite Welle ist jederzeit möglich". 

Besondere Sorge bereite ihm die anstehende Reisewelle durch Europa. "Ich hoffe sehr, dass der Ballermann kein neues Ischgl wird. Daran muss jeder mitarbeiten."

Markus Söder (53, CSU), Ministerpräsident von Bayern, nimmt zu Beginn der Kabinettssitzung im Kuppelsaal der Bayerischen Staatskanzlei seinen Platz ein.
Markus Söder (53, CSU), Ministerpräsident von Bayern, nimmt zu Beginn der Kabinettssitzung im Kuppelsaal der Bayerischen Staatskanzlei seinen Platz ein.  © Peter Kneffel/dpa

90.000 Wischmopps: Aiwanger beschwert sich nach Kritik über "Vertrauensbruch"

Zwischen Markus Söder (l. 53, CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Hubert Aiwanger (49, Freie Wähler), stellvertretender Ministerpräsident und Staatsminister für Wirtschaft, knirscht es.
Zwischen Markus Söder (l. 53, CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Hubert Aiwanger (49, Freie Wähler), stellvertretender Ministerpräsident und Staatsminister für Wirtschaft, knirscht es.  © Peter Kneffel/dpa

Inhaltlich waren CSU und Freie Wähler nach mehrstündigen Beratungen am Montagabend auf einer Linie. 

Für heftige Missstimmung sorgte am Ende nach übereinstimmenden Schilderungen von Teilnehmern allerdings Söders Vize, Wirtschaftsminister Aiwanger - wegen eines pünktlich zu Koalitionsausschuss und Kabinettssitzung veröffentlichten Interviews der "Mittelbayerischen Zeitung". 

In dem Interview klagte Aiwanger über einen Vertrauensbruch in der Koalition und über "gezielte Gemeinheiten aus der CSU, mit dem Ziel, mich zu beschädigen". 

"Für mich ist das ein gewisser Vertrauensbruch. Das vergiftet das Klima", sagte Aiwanger, der wegen eines teuren Einkaufs unter anderem von 90.000 Wischmopps Kritik und Spott auf sich gezogen hatte und sich zudem wegen teils schleppender Corona-Soforthilfen erklären musste.

Dem Vernehmen nach war es auch Söder selbst, der in der Sitzung des Koalitionsausschusses seinen Unmut über das Interview zum Ausdruck brachte. 

Aber auch bei anderen Teilnehmern der Sitzung seien Inhalt und Zeitpunkt der Äußerungen auf Unverständnis gestoßen, hieß es.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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