Neue Spezialeinheit gegen hohe Todeszahlen in Bayerns Alten- und Pflegeheimen

München - Vom Coronavirus betroffene Alten- und Pflegeheime in Bayern werden von diesem Montag an von einer neuen Spezialeinheit unterstützt.

Eine Frau wird im Alten- und Pflegeheim mit einem Corona-Schnelltest getetest. (Symbolbild)
Eine Frau wird im Alten- und Pflegeheim mit einem Corona-Schnelltest getetest. (Symbolbild)  © Sebastian Gollnow/dpa

"Sobald ein einziger Fall in einem Heim auftritt, wird sie aktiviert", sagte Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München.

Ziel sei es, das Ansteckungsrisiko in den Heimen so schnell wie möglich zu reduzieren. Dafür sieht das Konzept bei Bedarf im Notfall vor, vorübergehend die Fachkraftquote in den Heimen auszusetzen.

Die neue rund 200 köpfige "schnelle Einsatzgruppe Pflege" solle vorbeugen, beraten und kontrollieren. Das Personal rekrutiert sich aus Mitgliedern der bestehenden Taskforce des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und einem Einsatzstab aus Mitarbeitern des Landesamts für Pflege (LfP).

Dieser übernimmt die Einsatzplanung, koordiniert das Vorgehen und überwacht die konsequente Umsetzung ergriffener Maßnahmen. Hinzu kommen Experten der Gesundheitsämter und der Fachstellen für Pflege- und Behinderteneinrichtungen.

Neben der prophylaktischen Beratung über Masken- und Testpflichten sowie Testangebote für Bewohner wie Mitarbeiter sieht das Aufgabenfeld der Einsatzgruppe auch vor, im Falle einer Infektion unter anderem mögliche Verlegungen von Heimbewohnern und sofortige Reihentestungen zu prüfen.

Überflüssige Bürokratie abbauen, Entlastung für Personal schaffen

Eine Altenpflegerin hält im Seniorenheim einen Antigen-Corona-Schnelltest in der Hand. (Symbolbild)
Eine Altenpflegerin hält im Seniorenheim einen Antigen-Corona-Schnelltest in der Hand. (Symbolbild)  © Sebastian Gollnow/dpa

"Ein weiteres Ziel ist es, für die Einrichtungen so schnell wie möglich Entlastung zu schaffen. Deswegen wollen wir sowohl die Abläufe auf den Prüfstand stellen und überflüssige Bürokratie abbauen, wo wir können", betonte Holetschek.

Dies sieht auch die Möglichkeit vor, vorübergehend die Fachkraftquote in den Heimen auszusetzen, "um die Einrichtungen handlungsfähiger und flexibler zu machen". "Klar ist dabei: Die Qualität der Pflege darf darunter nicht leiden", betonte Holetschek. Im Kampf gegen die Pandemie gehe es um nichts anderes, als die Menschen zu schützen.

Die Fachkraftquote schreibt in normalen Zeiten vor, dass in einer Einrichtung mindestens jeder zweite Mitarbeiter eine ausgebildete Fachkraft sein muss. Nicht als Fachkräfte gelten Altenpflegehelfer, Krankenpflegehelfer und vergleichbare Hilfskräfte. Auch bei Nachtwachen muss mindestens eine Fachkraft anwesend sein.

Die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind besonders durch das Virus gefährdet. Bei einem Großteil der Todesfälle nach einer Infektion handelte es sich um ältere Menschen in Heimen und mit Vorerkrankungen zurück. Dies bedeutet auch, dass die Mitarbeiter unter einem besonders hohen Arbeitsdruck stehen.

Bei der vermutlich nach Weihnachten auch in Deutschland startenden Impfung gegen das Virus sollen die besonders gefährdeten Gruppen auch als erste versorgt werden.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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