Jetzt gibt's Geld: Nahverkehr in Bayern bekommt Hilfe ausgezahlt

München - Die Verkehrsunternehmen in Bayern sollen in den kommenden Tagen Geld aus einem ÖPNV-Rettungsschirm des Bundes erhalten, um Defizite infolge der Corona-Krise ausgleichen zu können.

Der Zugang zum Fahrerbereich in einem Linienbus ist zum Schutz des Fahrers wegen des Coronavirus für die Fahrgäste mit einem Absperrband und einem Hinweiszettel blockiert.
Der Zugang zum Fahrerbereich in einem Linienbus ist zum Schutz des Fahrers wegen des Coronavirus für die Fahrgäste mit einem Absperrband und einem Hinweiszettel blockiert.  © Daniel Karmann/dpa

Der Freistaat ist nach Angaben des Verkehrsministeriums in München damit das erste Bundesland, das die Gelder an die Firmen auszahlt. 

Wegen der Corona-Pandemie sind die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr bayernweit stark gesunken, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Damit fehlt es folglich auch an Einnahmen.

Insgesamt erhalte Bayern für den Nahverkehr 381 Millionen Euro vom Bund. 

"Die Verkehrsunternehmen haben auch in der Corona-Krise den öffentlichen Personennahverkehr durchgehend aufrechterhalten", sagte Ministerin Kerstin Schreyer (CSU) der dpa. "Die Grundversorgung war immer gesichert." Allerdings bedeute der Rückgang an Fahrgästen, dass den Unternehmen große Verluste entstanden sind.

Wie deutlich die Belastung durch die Corona-Krise ist, machen Zahlen der Unternehmen deutlich: Im Gebiet des Augsburger Verkehrs- und Tarifverbunds (AVV) fuhr laut einer Sprecherin zu den schlechtesten Zeiten nur etwa ein Viertel der sonst üblichen Passagiere Bus und Bahn. 

"Dementsprechend gestaltete sich auch in dieser Zeit die Einnahmensituation überschaubar", sagte ein Sprecher der Stadtwerke Regensburg. Beim VGN in Nürnberg rechnet man laut einem Sprecher für 2020 derzeit mit 110 Millionen Euro weniger Umsatz als geplant, bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit 190 Millionen Euro weniger, wie es von den Stadtwerken München hieß. 

"Wir gehen davon aus, dass wir auch 2021 noch Mindereinnahmen schultern müssen, die Erholungsphase also länger andauert", sagte ein MVG-Sprecher.

Umsatzrückgang im Nahverkehr: Kommt jetzt ein Fahrpreisanstieg?

Im Stadtverkehr in München beträgt die Auslastung laut MVG derzeit wieder 70 Prozent des üblichen Wertes.
Im Stadtverkehr in München beträgt die Auslastung laut MVG derzeit wieder 70 Prozent des üblichen Wertes.  © Matthias Balk/dpa

Mittlerweile sind Busse und Bahnen nicht mehr ganz so leer. Im Stadtverkehr in München und Nürnberg beträgt die Auslastung laut MVG und VGN derzeit wieder 70 Prozent des Üblichen. 

In den Mittelstädten und im regionalen Busverkehr des VGN beträgt die Auslastung tagsüber aber immer noch nur fünf bis zehn Prozent des normalen Niveaus. 

"Es fehlen besonders die Berufspendler", sagte der VGN-Sprecher. "Hier machen sich der Umstieg auf das Auto und das Arbeiten im Homeoffice noch immer stark bemerkbar."

Einen Fahrpreisanstieg durch den Umsatzrückgang müssen Fahrgäste in Nürnberg und Augsburg erst einmal nicht fürchten, im Gegenteil: Die für Januar 2021 geplanten Tariferhöhungen in den beiden Verkehrsverbünden wurden ausgesetzt (AVV) oder nach hinten verschoben (VGN). 

Beim MVV profitieren nur Abo-Kunden von der Mehrwertsteuersenkung. Sie erhalten im November eine einmalige Erstattung von 10 bis 20 Euro.

Bis Ende August könnten Verkehrsunternehmen und Kommunen nun einen vereinfachten vorläufigen Antrag auf Gelder aus dem Rettungsschirm stellen, hieß es aus dem Ministerium. 

Über mögliche Fördergelder aus der Kasse des Freistaates berate das Kabinett im September.

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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