Statt Urlaub: Profi-Sportlerinnen im Einsatz gegen Corona

München - Normalerweise stehen für Wintersportler im März und April Urlaube an: Nach etlichen kalten Wettkampf-Monaten geht es dann oft irgendwo weit weg in die Sonne, zumindest kurz werden die Füße hochgelegt. Normal ist in der Corona-Krise momentan aber nichts mehr. 

Snowboarderinnen Carolin Langenhorst (24) aus Deutschland in Aktion.
Snowboarderinnen Carolin Langenhorst (24) aus Deutschland in Aktion.  © Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Und deshalb packen drei bayerische Athletinnen nun selbst an, um im Kampf gegen das Virus zu helfen. 

Die Snowboarderinnen Carolin Langenhorst (24) und Melanie Hochreiter (23) arbeiten im Gesundheitsamt und bei der Polizei, Skispringerin Katharina Althaus (23) näht daheim Mundschutze.

Leute informieren, Maßnahmen kontrollieren, Masken produzieren: Das sportliche Trio aus dem Freistaat deckt mit dem Engagement gleich drei wichtige Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Sars-CoV-2 ab.

Snowboarderin Langenhorst hilft im Gesundheitsamt von Bad Reichenhall und ist dafür zuständig, Leute anzurufen, die mit Corona-Infizierten Kontakt hatten. "Dann schaue ich, wie nah jene mit der Person in Kontakt gekommen sind, und ordne denen dann eine Quarantäne an oder nicht. Auch erkläre ich, was zu beachten ist, was sie dürfen und was nicht", erzählte die 24-Jährige der Deutschen Presse-Agentur.

Sie hilft bei der Behörde aus, weil ihr Vater Amtsarzt ist und dort zunächst zu wenig Personal vorhanden war. Auch ihr Bruder wurde als Medizin-Student eingespannt. "Da war Not am Mann. Die regulären Angestellten sind nicht mehr hinterher gekommen", schilderte sie. 

Die Sportsoldatin hat Zeit, weil ein Lehrgang bei der Bundeswehr ausfiel.

Snowboarderin kontrolliert als Polizistin die Corona-Maßnahmen

Melanie Hochreiter (23), Snowboarderin und Polizistin, steht lächelnd neben einem Dienstfahrzeug der Polizei.
Melanie Hochreiter (23), Snowboarderin und Polizistin, steht lächelnd neben einem Dienstfahrzeug der Polizei.  © Snowboard Germany/dpa

Bis zu 20 Anrufe an einem Vormittag hatte sie zu Beginn der Krise zu erledigen. Aber die neuen Kontaktvorgaben wirken, wie Langenhorst berichtete. 

Wenn sich jemand neu infiziert, seien inzwischen nur noch etwa drei Personen anzurufen, die Kontakt hatten. 

Die Snowboarderin hat denen dann beizubringen, dass sie sich isolieren müssen. "Klar schreit dann keiner: Yeah, Quarantäne! Aber man erfährt immer mehr Verständnis. Inzwischen haben alle gemerkt, dass es ernst ist."

Das findet auch Teamkollegin Hochreiter. Als Polizeiobermeisterin fährt sie in Berchtesgaden Streife. 

"Eine unserer Hauptaufgaben ist im Moment, zu schauen, ob alle Geschäfte zu haben, ob jemand unnötig durch die Gegend fährt und ob die Ausgangsbeschränkungen eingehalten werden", erzählte die 23-Jährige. 

Auch Aufklärung gehöre dazu, "da die Bürger natürlich viele Fragen bezüglich der Ausgangsbeschränkung haben, was sie machen dürfen und was verboten ist", sagte Hochreiter.

Skispringerin näht Mundschutz: Der Bedarf ist groß

Skispringerin Katharina Althaus (23) näht Mundschutz zu Hause an ihre Nähmaschine.
Skispringerin Katharina Althaus (23) näht Mundschutz zu Hause an ihre Nähmaschine.  © Privat/DSV/dpa

Seit August 2012 ist die Snowboarderin bei der Polizei, im November 2019 wurde sie Polizeiobermeisterin. 

Dass sie nach dem plötzlichen Ende der Weltcup-Saison wegen der Corona-Krise direkt bei der Polizei weitermachte, fand sie gut. 

Auf Urlaub hofft sie im Sommer, "wenn es schön warm ist und hoffentlich die Krise wieder etwas abflacht".

Skisprung-Weltmeisterin Althaus nutzt indes ihr Hobby für den guten Zweck. 

Nachdem sie sich mit einer Nachbarin, die Ärztin ist, beraten hatte, begann sie Mundschutze zu nähen. 

Im Internet besorgte sich die 23 Jahre alte Allgäuerin Schnittmuster, studierte Video-Anleitungen und legte los. "Es kam schon ziemlich viel positives Feedback zurück", erzählte sie dem BR. 

Die Doppel-Goldmedaillengewinnerin der WM 2019 ist persönlich betroffen, ihr Freund ist Rettungssanitäter.

Und so näht Althaus weiter, der Bedarf ist groß. "Es werden natürlich noch viel mehr benötigt. Sie werden auf jeden Fall benutzt."

Titelfoto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa, Snowboard Germany/dpa, Privat/DSV/dpa

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