Stammtisch "dahoam": Parteien treffen sich zum politischen Aschermittwoch online

München/Passau/Vilshofen - Auch in Corona-Zeiten will die Politik in Bayern auf eine ihrer liebsten Traditionen nicht verzichten.

Markus Söder (54), CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident aus Bayern, spricht beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Passau.
Markus Söder (54), CSU-Vorsitzender und Ministerpräsident aus Bayern, spricht beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Passau.  © Peter Kneffel/dpa

Wegen des Infektionsschutzes kann der politische Aschermittwoch 2021 aber nicht wie sonst in voll besetzten Hallen und Bierkellern stattfinden, sondern muss ins Internet ausweichen.

Was vor einem Jahr quasi noch undenkbar war, wird damit Realität: Beim Stammtisch "dahoam" kommt der erste Vorgeschmack auf den Bundestagswahlkampf frei Haus ins Wohnzimmer.

Ob der Funke dann auch ohne Bier, Geselligkeit und Blasmusik überspringt, bleibt abzuwarten. Die CSU hat ihren Anhängern in jedem Fall schon vorab mit Fan-Paketen voller Partei-Papierfähnchen, Passauer Bier, Brezen und Parteischal versorgt - diese sind inzwischen ausverkauft.

Doch nicht nur bei den Christsozialen dürften viele Zuschauer in Trachten vor ihren Computern sitzen.

Welchen Stellenwert die Traditionsveranstaltung trotz der Corona-Widrigkeiten hat, zeigen parteiübergreifend die hochkarätig besetzten Rednerlisten: CSU-Chef Markus Söder, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz, Grünen-Chefin Annalena Baerbock, FDP-Chef Christian Lindner und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) - um nur einige zu nennen.

Auch Neu-CDU-Chef Armin Laschet wird übrigens mit von der Partie sein - nachdem er im vergangenen Jahr noch im sauerländischen Lennestadt selbst der Hauptredner war, ist er nun zumindest mit einem Grußwort bei der CSU-Veranstaltung zu hören.

Bundestagswahl beim politischen Aschermittwoch in Bayern im Fokus

Robert Habeck (51), Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, spricht beim Politischen Aschermittwoch der Grünen in Landshut.
Robert Habeck (51), Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, spricht beim Politischen Aschermittwoch der Grünen in Landshut.  © Tobias Hase/dpa

Rund sieben Monate vor der Bundestagswahl stehen (zumindest überregional) die Redner und Parteien im Fokus, die sich am 26. September Hoffnungen auf das Kanzleramt machen.

Ob berechtigt oder nicht, sei an dieser Stelle dahingestellt. In jedem Fall dürfte das Fernduell CSU (und CDU), SPD und Grüne viel Gesprächsstoff für die kommenden politischen Debatten liefern.

CSU-Generalsekretär Markus Blume bezeichnete den Aschermittwoch auch im Corona-Jahr "als wichtigen Meilenstein", gerade auch für die CSU. Abgesehen von der Übertragung im Netz werde sich aber nichts ändern, es bleibe ein Ort der "klaren politischen Aussage und des Klartexts". Dass Laschet dabei zugeschaltet sei, zeige, wie ernst CDU und CSU es im Wahljahr mit ihrer Union sei.

Der politische Aschermittwoch feiert in diesem Jahr seinen 102. Jahrestag: 1919 hatte der bayerische Bauernbund anlässlich des Viehmarkts im niederbayerischen Vilshofen erstmals zu einer Kundgebung geladen - das Politspektakel war geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der politische Aschermittwoch von der Bayernpartei wiederbelebt, bevor die CSU und auch alle anderen Parteien folgten.

Seit einigen Jahren lockt der Aschermittwoch auch außerhalb Bayerns immer mehr Menschen und Politiker in Hallen und Zelte.

Titelfoto: Bildmontage: Peter Kneffel/dpa, Tobias Hase/dpa

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