"Steht mitunter die gesamte Produktion still": Deshalb kommt es noch immer zu Lieferengpässen

München - Inzwischen beklagen 96 Prozent der Betriebe der bayerischen Metall- und Elektroindustrie Produktionsbehinderungen durch fehlende Rohstoffe und Vorprodukte.

In der bayerischen Metallindustrie fehlt in hinten und vorne an Rohstoffen zur Produktion. (Symbolbild)
In der bayerischen Metallindustrie fehlt in hinten und vorne an Rohstoffen zur Produktion. (Symbolbild)  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Das ergab eine Umfrage ihrer beiden Verbände bayme und vbm unter den Mitgliedsunternehmen.

"Besonders erschreckend ist, dass mehr als Hälfte der Betriebe einzelne Materialien überhaupt nicht mehr bekommt. Da steht mitunter die gesamte Produktion still", sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt am Dienstag in München.

"Schon jetzt muss jeder fünfte Betrieb wegen der Lieferengpässe kurzarbeiten."

München: Bayernweite Durchsuchungen wegen Hass-Postings im Netz
München Bayernweite Durchsuchungen wegen Hass-Postings im Netz

Der "Aufschwung aus dem tiefen Corona-Tal droht an Lieferengpässen und Materialknappheit zu scheitern", sagte Brossardt. 37 Prozent der Betriebe erwarteten das Ende des Mangels erst in einem Jahr.

Fast jeder Betrieb sei von verspäteten Lieferungen betroffen, zwei Dritteln werde zu wenig geliefert, bei jedem fünften Betrieb wiesen die Lieferungen unzureichende Qualität auf.

Zugleich seien die Einkaufspreise im Durchschnitt um über ein Drittel gestiegen, sagte Brossardt.

Verbesserte Kurzarbeiterreglungen und optimierte Zollabfertigung würde den Betrieben helfen

Die Probleme bestünden beim Transport und entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Produktion. "Besonders betroffen sind hier Lieferungen aus dem Inland und aus China. Jeweils zwei von drei Betrieben berichten von Beeinträchtigungen." Nur jedes fünfte Unternehmen habe dagegen Probleme mit Lieferungen aus den USA, sogar nur zwei Prozent mit Lieferungen aus Mittel- und Osteuropa.

"Schon heute liegt der erwartete Umsatzrückgang im Kalenderjahr 2021 bei im Durchschnitt 13 Prozent", sagte Brossardt. Die Reaktionen reichen von der Suche nach alternativen Lieferanten und Produkten über Preiserhöhungen bis zur Einschränkung der Produktion. Eine Verlängerung der verbesserten Kurzarbeiterreglungen und eine optimierte Zollabfertigung würde den Betrieben helfen.

Die beiden Verbände hatten ihre Mitgliedsunternehmen in der vergangenen Woche zwischen dem 12. und 17. Oktober befragt.

Titelfoto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema München Wirtschaft: