"Aufsichtsbehörden haben versagt": Bankenexperte gnadenlos direkt im Wirecard-Fall

München/Passau - Nach Bekanntwerden des mutmaßlichen Betrugsskandals um den DAX-Konzern Wirecard kritisiert der Präsident des Bayerischen Finanzzentrums (bfz), Wolfgang Gerke, die Aufsichtsbehörden scharf. 

An der Börse ist der DAX-Konzern Wirecard massiv eingestürzt. (Archivbild)
An der Börse ist der DAX-Konzern Wirecard massiv eingestürzt. (Archivbild)  © Arne Dedert / dpa

"Die Aufsichtsbehörden haben hier letztendlich versagt. Sie haben nicht genug recherchiert und dem Management von Wirecard vertraut", sagte der Bankenexperte im Interview der Wochenendausgabe der "Passauer Neuen Presse". 

"Für die Wirtschaftsprüfer und die Aufsichtsbehörde Bafin ist das ein Armutszeugnis."

Er vermute ein korruptes Netz hinter dem Skandal. "Dass zwei Vorstände in der Lage gewesen sein sollen, dieses gewaltige Betrugsmodell alleine aufzubauen, ist schwer vorstellbar. Da gibt es sicher Hintermänner, aber vielleicht auch woanders", sagte der emeritierte Professor für Bank- und Börsenwesen der Zeitung. 

Dass die Geschäfte von Wirecard erst jetzt aufgearbeitet werden, sei ein großes Versäumnis. "Die Aktienkultur hat einen dramatischen Schaden erlitten", sagte Gerke. "Der hier verursachte Schaden ist immens und wird Jahre nachwirken."

Der in einen Milliardenskandal verstrickte Zahlungsdienstleister Wirecard hatte am Donnerstag wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag beim Amtsgericht München eingereicht. 

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die den Jahresabschluss 2019 prüfte, geht bei Wirecard von schwerer Kriminalität in quasi weltumspannendem Maßstab aus. Im Mittelpunkt des Skandals stehen mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro.

Titelfoto: Arne Dedert / dpa

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