Münchens OB Dieter Reiter: Bahn muss Fakten zu Stammstrecke offen legen!

München - Nach Bekanntwerden der mutmaßlich jahrelangen Verspätung und Kostenexplosion bei der zweiten Münchner S-Bahn-Röhre fordert Oberbürgermeister Dieter Reiter (64, SPD) unverzüglich die rasche Offenlegung aller Fakten.

Offenlegung aller Fakten! Dieter Reiter (64, SPD), Oberbürgermeister der Stadt München, hat sich deutlich positioniert.
Offenlegung aller Fakten! Dieter Reiter (64, SPD), Oberbürgermeister der Stadt München, hat sich deutlich positioniert.  © Matthias Balk/dpa

Es sei "einigermaßen unglaublich", wie die Bahn sich aktuell verstecke, wählte er am Montag in München harsche Worten und schob unmittelbar nach: "Es ist eine Unverschämtheit, wie man hier mit den Bürgerinnen und Bürgern umgeht."

Reiter warf Bundesverkehrsminister Volker Wissing (52, FDP) vor, dieser habe einen Gesprächstermin in der vergangenen Woche platzen lassen, obwohl er in München gewesen sei. Wissing sei nun einmal zuständig, dann müsse er sich auch kümmern.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass das bayerische Verkehrsministerium von einer Steigerung der Kosten von 3,85 Milliarden auf bis zu 7,2 Milliarden Euro (!) ausgeht. Und weiter: Die Inbetriebnahme der zweiten zentralen S-Bahn-Strecke durch die Münchner Innenstadt könnte sich demnach von 2028 auf 2037 deutlich verzögern.

Allerdings beklagten auch die Projektbetreuer des Ministeriums, dass ihnen die aktuelle Kalkulation der Bahn nicht bekannt sei und dass es sich bei den Angaben daher um Schätzungen handele. Eine DB-Sprecherin betonte: "Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit unseren Projektpartnern. Dies umfasst auch die Zeit- und Kostenpläne des Projekts, die wir aktuell überprüfen."

Reiter und Bayerns SPD-Landeschef Florian von Brunn (53) forderten den Bund und den Freistaat als Projektträger der zweiten Stammstrecke nun auf, die Bahn zur Offenlegung aller Daten und Fakten entsprechend zügig zu zwingen.

Der Bau der zweiten Stammstrecke wird nach Einschätzung des Verkehrsministeriums massiv teurer und länger dauern.
Der Bau der zweiten Stammstrecke wird nach Einschätzung des Verkehrsministeriums massiv teurer und länger dauern.  © Matthias Balk/dpa

Verzögerung eine "Katastrophe für die Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt und im Umland"

Eine zehnjährige Verzögerung wolle man nicht einfach als gottgegeben hinnehmen, sagte von Brunn. Reiter kommentierte eine solche Zeitspanne mehr als ungläubig: "Vielleicht hat man unterirdisch einen Vulkan gefunden", spottete der SPD-Politiker.

Von Brunn warnte, eine zehnjährige Verzögerung wäre eine absolute Katastrophe für die Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt und im Umland, für die Klimapolitik und die gewünschte Verkehrswende. Reiter forderte den Freistaat auf, zur Stärkung des aktuellen S-Bahn-Netzes nun neue Züge zu beschaffen, für Taktverdichtungen auch ins Umland zu sorgen sowie Schwachstellen im Netz zu beseitigen, etwa beim anfälligen Stellwerk am Ostbahnhof.

Titelfoto: Montage: Matthias Balk/dpa

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