"Ich schäme mich für unser Land": SPD-Chefin Kohnen findet Seehofer untragbar

München - Bayerns SPD-Landeschefin Natascha Kohnen hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wegen dessen Agieren in der Moria-Krise scharf attackiert und ihn als Minister als untragbar bezeichnet.

Bayerns SPD-Landeschefin Natascha Kohnen (52) kritisierte Bundesinnenminister Horst Seehofer (71, CSU).
Bayerns SPD-Landeschefin Natascha Kohnen (52) kritisierte Bundesinnenminister Horst Seehofer (71, CSU).  © Bernd von Jutrczenka/dpa, Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

"Natürlich müssen wir die Themen Flucht und Migration europäisch lösen", sagte Kohnen am Samstag auf einem Online-Parteitag der Bayern-SPD

"Aber in dieser Situation müssen wir, und es ist unsere Verpflichtung, dass wir das Elend in Moria beenden. Und es ist jetzt unsere humanitäre Pflicht zu handeln. Und wer sich dieser Aufgabe in unserem Land in diesen Tagen in den Weg stellt, ist - und das sage ich in aller Deutlichkeit - als Innenminister untragbar."

Kohnen sagte: "Ich schäme mich für unser Land in diesen Tagen." Und ergänzte: "Es kann doch wohl nicht unser Ernst sein, dass wir 150 Kinder aufnehmen wollen in Deutschland - und dass das die Antwort ist auf die Bilder, die wir tagtäglich sehen." 

Der Schutz des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit aller Menschen sei "zentrale Aufgabe unseres Staates". "Und dahinter muss tatsächlich vieles hinten anstehen", betonte sie.

Seehofer hatte am Freitag mitgeteilt, dass sich zehn europäische Staaten an der Aufnahme von 400 unbegleiteten Minderjährigen aus Moria beteiligten. 

Ein Großteil - je 100 bis 150 - werde von Deutschland und Frankreich aufgenommen. 

Mehr als 12.000 Menschen nach Feuer in Moria ohne Obdach

Später erklärte er, die Bundesregierung arbeite bereits daran, zügig weitere Migranten aus Moria aufzunehmen. "Ich lege persönlich sehr großen Wert darauf, dass wir eine rasche Lösung für Familien mit Kindern finden. Die Aufnahme der 400 unbegleiteten Minderjährigen ist nur der erste Schritt. Der zweite Schritt wird folgen", betonte der Minister am Freitagabend.

Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos war in der Nacht zum Mittwoch bei mehreren zeitgleichen Bränden fast vollständig zerstört worden. Statt der vorgesehenen knapp 3000 Migranten waren dort mehr als 12.000 Menschen untergebracht.

Einige der Migranten sollen Feuer gelegt haben, nachdem für die Bewohner des Lagers wegen Corona-Infektionen Quarantäne verordnet worden war.

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa, Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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