Noch ein "Todespfleger"? Mordermittlungen in Krankenhaus!

München - Der Fall machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen: Ein Pfleger soll in einem Münchner Krankenhaus versucht haben, drei seiner Patienten zu töten. Neue Ermittlungsergebnisse deuten nun allerdings darauf hin, dass das womöglich nur die Spitze des Eisberges war - und es nicht nur beim Mordversuch blieb!

Der Pfleger soll Patienten eine Überdosis eines Medikaments, das ihnen nicht verabreicht werden sollte, gespritzt haben. (Symbolbild)
Der Pfleger soll Patienten eine Überdosis eines Medikaments, das ihnen nicht verabreicht werden sollte, gespritzt haben. (Symbolbild)  © 123RF/Yaroslav Kryuchka

Die Ermittlungen gegen den Mann haben sich von versuchtem auf vollendeten Mord ausgeweitet.

"Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen nicht nur von drei versuchten, sondern auch von zwei vollendeten Tötungsdelikten aus", sagte eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Und noch immer werden ihren Angaben zufolge weitere Verdachtsfälle derzeit noch geprüft: "Die Ermittlungen dauern an."

Bislang war bekannt, dass die Staatsanwaltschaft in drei Fällen wegen des Verdachts auf versuchten Mord ermittelt. Sie wirft dem bei seiner Festnahme 24-Jährigen vor, drei Patienten im Alter von damals 54, 90 und 91 Jahren aus reiner Geltungssucht mit Medikamenten in Lebensgefahr gebracht zu haben, um in der Folge dann bei ihrer Rettung zu glänzen.

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Ein aufmerksamer Oberarzt am Klinikum rechts der Isar war stutzig geworden, weil sich der Zustand von zwei Patienten plötzlich und komplett unerklärlich verschlechtert hatte. Interne Ermittlungen ergaben Hinweise auf einen ähnlichen Fall, bei dem auch der Beschuldigte in der Münchner Klinik Dienst hatte.

Der Verdacht: Der Pfleger spritzte den Patienten eine Überdosis eines Medikaments, das ihnen nicht verabreicht werden sollte. Spuren dieser nicht verordneten Medikamente wurden im Blut der Patienten gefunden. Das Krankenhaus zeigte den Pfleger an, er bestritt die schwerwiegenden Vorwürfe bei seiner Festnahme allerdings.

Ausgebildeter Altenpfleger war über Zeitarbeitsfirma in Klinik gekommen

Das Klinikum rechts der Isar ist auch nicht die erste Münchner Klinik, die von einem solchen Fall betroffen ist. (Archivbild)
Das Klinikum rechts der Isar ist auch nicht die erste Münchner Klinik, die von einem solchen Fall betroffen ist. (Archivbild)  © Matthias Balk/dpa

Der ausgebildete Altenpfleger war seit Juli 2020 über eine Zeitarbeitsfirma in die Klinik gekommen und dort vor allem auf der sogenannten Wachstation im Einsatz, einer Zwischenstation zwischen Intensiv- und normaler Station, auf der Kranke rund um die Uhr betreut wurden.

Die Ermittlungsgruppe der Polizei, die sich mit dem Fall befasst, trägt darum den Namen "Wachstation".

Bevor er den Job in dem Münchner Krankenhaus annahm, hatte der aus Nordrhein-Westfalen stammende Mann laut Staatsanwaltschaft noch nicht in einer Klinik, sondern nur in Altenpflege-Einrichtungen gearbeitet und war in diesen nach bisherigen Erkenntnissen nicht auffällig geworden.

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"Hinsichtlich seiner Tätigkeit dort haben sich nach Auskunft der dortigen Ermittlungsbehörden keine Auffälligkeiten hinsichtlich etwaiger vergleichbarer Fälle ergeben", führte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft in der Landeshauptstadt aus.

Chatverläufe legen nach Angaben der Behörde nahe, dass der junge Mann sich in München allerdings mit Reanimationsmaßnahmen brüsten wollte und damit, Menschenleben gerettet zu haben. "Deswegen das Leben eines Menschen zu riskieren, um dann nachher als weißer Ritter dazustehen, das stufen wir natürlich als niedrige Beweggründe ein", sagte die Sprecherin nach der Festnahme.

Patientenmörder Niels Högel zu lebenslanger Haft verurteilt

Patientenmörder Niels Högel (44) wurde vom Landgericht Oldenburg 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt.
Patientenmörder Niels Högel (44) wurde vom Landgericht Oldenburg 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Mit wem der Mann über die Reanimierungen chattete, wollte sie damals nicht sagen. Auch ob der Tatverdächtige sich inzwischen zu den erheblichen Vorwürfen geäußert hat, sagte sie nicht.

Der Fall erinnert an den als "Todespfleger" bekannt gewordenen Patientenmörder Niels Högel (44), den das Landgericht Oldenburg 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt hatte.

Er war in Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst als Krankenpfleger in der Intensivmedizin tätig und tötete dort nach Feststellung des Landgerichts 85 Patienten, indem er ihnen medizinisch nicht indizierte Medikamente verabreichte. Dabei soll es ihm in erster Linie darum gegangen sein, sich danach um die Reanimation der Betroffenen bemühen zu können und vor Kollegen zu glänzen.

Tötungsdelikte in der Pflege machen deutschlandweit immer wieder Schlagzeilen.

Erst Anfang Oktober 2020 hatte das Landgericht München I einen Hilfspfleger wegen Mordes an drei Patienten zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der Mann aus Polen hatte alten Menschen, die er pflegen sollte, Insulin gespritzt, das als Überdosis entsprechend tödlich für Menschen sein kann.

Das Klinikum rechts der Isar ist auch nicht die erste Münchner Klinik, die von einem solchen Fall betroffen ist. Im Jahr 2016 verurteilte das Landgericht München I eine Hebamme des Klinikums Großhadern wegen siebenfachen Mordversuches im Kreißsaal zu 15 Jahren Haft. Nach Überzeugung des Gerichtes hatte die Frau Patientinnen bei Kaiserschnitt-Geburten heimlich Blutverdünner gegeben. Ohne Notoperationen wären sie gestorben.

Titelfoto: 123RF/Yaroslav Kryuchka

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