"Sommer in der Stadt": München feiert mit Karussells, Buden und Oktoberfestbier

München - In normalen Jahren ist die Münchner Theresienwiese im Juli eine Großbaustelle - der Aufbau des Oktoberfests dauert Monate. Dieses Jahr wird statt der Bierzelte auf dem Festgelände ein Corona-Testzelt aufgebaut. In diesem Sommer ist alles anders. Trotzdem soll in München ein bisschen Festlaune aufkommen.

Ein Riesenrad auf dem Königsplatz vor der Kulisse der Propyläen.
Ein Riesenrad auf dem Königsplatz vor der Kulisse der Propyläen.  © Peter Kneffel/dpa

Trotz der Oktoberfest-Absage wird originales Wiesnbier fließen. 

Es gibt den Wiesn-Bierkrug, Brauereigespanne rollen durch die Straßen. Besucher können vom Riesenrad den Blick über die Stadt genießen und gebrannte Mandeln kaufen. Anstatt auf der Wiesn drehen die Ochsen "Max" oder "Paul" am Chinesischen Turm im Englischen Garten am Grill.

Am Freitag eröffnete Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) den "Sommer in der Stadt". 

Ein Riesenrad steht auf dem Königsplatz, ein 90 Meter hohes Kettenkarussell kreist am Olympiagelände, dort auch eine Art Achterbahn, ein Autoscooter und das magenhebende Geschäft Breakdance aufgebaut. Schießbuden, Trachtenstände, Zuckerwatte und Lebkuchenherzen gibt es an verschiedenen Plätzen - aber auch Kultur und Sport, Konzerte, Kabarett, Beachvolleyball und Tischtennis.

Der "Sommer in der Stadt" soll kein Ersatz für das Oktoberfest sein, wie die Verantwortlichen betonen. "Es ist keine Mini-Wiesn", sagte Reiter. Das Programm solle Schausteller, Marktkaufleute und Kulturschaffende unterstützen, die unter der Krise besonders litten - auch durch die Absage der Wiesn. Zudem sei zu erwarten, dass viele Münchner nicht verreisen - "und da braucht es ein bisschen Abwechslung." "Es geht darum, die Gelegenheit zu bieten, in den Stadtvierteln Spaß zu haben; Kunst und Kultur zu erleben." Das dezentrale Konzept ermögliche es, auszuweichen und Abstand zu halten.

"Wenn es voll ist, kann man woanders hingehen oder an einem anderen Tag kommen", sagt auch Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU). Auch wenn nun etwas Volksfeststimmung aufkomme, es sei keine Wiesn, und die werde er sehr vermissen. 

"Es ist wie eine eigene Jahreszeit." Sechs Millionen Gäste kommen jedes Jahr, gut die Hälfte aus München. Der Wirtschaftswert liegt bei rund 1,3 Milliarden Euro. "Es ist emotional und auch ökonomisch ein schwieriger Moment für die Stadt", sagte OB Reiter im April bei der Absage des Festes.

Die "Wirtshauswiesn" knüpft an die Ursprünge an

Eine Mini-Oase aus ganz viel Sand mit 13 Palmen wurden auf einem Teil der Theresienwiese aufgebaut.
Eine Mini-Oase aus ganz viel Sand mit 13 Palmen wurden auf einem Teil der Theresienwiese aufgebaut.  © Peter Kneffel/dpa

Am 19. September hätte Reiter das erste Fass Bier angezapft. Im Morgengrauen wären die ersten Gäste in Dirndl und Lederhose zur Festwiese gezogen, um die besten Plätze zu ergattern.

Einen kleinen Ersatz soll es nach den Vorstellungen der Wirte aber doch geben. Gaststätten in der Innenstadt und Wiesnwirte wollen am geplatzten ersten Wiesntag eine Mini-Version starten, mit Wiesnbier, Brezen, Hendl und Haxn.

Diese "Wirtshauswiesn" knüpfe an die Ursprünge der Wiesn vor gut 200 Jahren an, sagt der Sprecher der Münchner Innenstadtwirte, Gregor Lemke. "Als 1810 die erste Wiesn stattgefunden hat, gab es keine Zelte. Es gab nicht diese Verpflegungsmöglichkeiten auf der Theresienwiese. Die Menschen sind danach in die Stadt gezogen, in die Wirtshäuser. Da haben wir eine Analogie zur Wirtshauswiesn." Die Marke Wirtshauswiesn ist geschützt. An der Umsetzung wird getüftelt.

Partystimmung eng an eng mit Tanzen auf den Bänken wird es nicht geben - schlechte Karten für Flirtwillige. Vorgabe: Abstand, Maske - und Tracht. Ein Stammgast habe angekündigt, er werde sich allein mit einem Kasten Bier auf die Theresienwiese setzen. "Da haben wir - und auch die anderen Kollegen - zu den Stammgästen gesagt: Kommt doch zu uns", sagt der zweite Wiesnwirtesprecher Christian Schottenhamel. Hätte sie stattgefunden, so glaubt Schottenhamel, wären die Gäste ohnehin ferngeblieben - aus Angst vor der Ansteckung. In Krisenzeiten sinkt die Feierlaune. So war es auch in Jahren nach Terrorschlägen.

Auch in anderen Orten gibt es nach der Absage aller Volksfeste Alternativprogramme. In Hof stehen Fahrgeschäfte und Buden auf Plätzen. In Landshut organisierten Wirte eine Drive-in-Dult. Die Gäste konnten Mandeln und Lebkuchenherzen kaufen - und im Auto Volksfeststimmung erleben: Mit einer Fahrt durch ein Festzelt, in dem auf Bildschirmen Fotos und Videos früherer Jahre zu sehen waren.

Die Hoffnung liegt auf dem nächsten Jahr. Dann, da ist Wiesnchef Baumgärtner zuversichtlich, wird alles wieder sein wie immer. "Ich bin der festen Überzeugung, dass es die Wiesn 2021 geben wird."

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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