OB Reiter verteidigt Oktoberfest und kritisiert Lauterbach wegen Corona-Alarm

München - Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (64, SPD) hat sein Vorgehen rund um das Oktoberfest verteidigt und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) scharf kritisiert.

Dieter Reiter (64, SPD, r.), Oberbürgermeister von München, und Markus Soeder (55, CSU), Ministerpräsident von Bayern, nach dem erfolgreichen Fassanstich auf dem Oktoberfest.
Dieter Reiter (64, SPD, r.), Oberbürgermeister von München, und Markus Soeder (55, CSU), Ministerpräsident von Bayern, nach dem erfolgreichen Fassanstich auf dem Oktoberfest.  © Sven Hoppe/dpa

"Herr Lauterbach hat auf meine explizite Nachfrage im April, ob es Zugangsbeschränkungen geben könnte, geantwortet, dass es dazu keine rechtlichen Möglichkeiten gibt und auch für Herbst keine zu erwarten sind", sagte Reiter am Mittwoch. Damit sei es nicht möglich gewesen, wie von Reiter nach eigenen Worten präferiert, nur frisch getestete Besucher auf das Festgelände zu lassen.

"Der Bund und auch der Freistaat haben nicht den Mut gehabt, hier die Voraussetzungen zu schaffen."

Zudem habe Lauterbach "mehrmals deutlich gemacht, dass er keinen harten belastbaren Grund sehe, die Wiesn abzusagen. Insofern wundern mich seine aktuellen Äußerungen schon", kritisierte Reiter seinen Parteikollegen.

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Lauterbach hatte unter anderem zuletzt mehrfach kritisiert, dass es keine Tests vor den Bierzelten auf dem Oktoberfest gegeben habe. Die Gesundheit der Stadt München sei durch die Klinikbelastung und die schweren Corona-Fälle gefährdet, schrieb der Bundesgesundheitsminister. Er sprach von einer "selbstgemachten Katastrophe".

Zur aktuellen Corona-Situation in München - die Stadt hat eineinhalb Wochen nach dem Oktoberfest mit 1481,3 eine der höchsten Inzidenzen in Bayern und Kliniken berichten von Problemen - sagte Reiter:

"Ich habe im Vorfeld der Wiesn gesagt, dass ich davon ausgehen muss, dass die Infektionszahlen nach der Wiesn deutlich steigen werden. Das ist eingetreten."

Karl Lauterbach schlägt Corona-Alarm auf Twitter

Corona-Situation in ganz Deutschland angespannt

Karl Lauterbach (59, SPD), Bundesminister für Gesundheit.
Karl Lauterbach (59, SPD), Bundesminister für Gesundheit.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Man diskutiere "seit Tagen über mögliche kurzfristige Lösungen - für alle Kliniken, die die Notfallversorgung gewährleisten müssen" und werde als Kommune unterstützen "soweit dies möglich ist".

Zudem betonte Reiter, dass die Situation nicht nur in München und Bayern angespannt sei, sondern im gesamten Bundesgebiet. Das relativiere das Thema "Wiesn-Welle".

Bayern ist derzeit das Bundesland mit der zweithöchsten Inzidenz in Deutschland, auch fern von München und Oktoberfest sind die Inzidenzen im Freistaat deutlich gestiegen. In und um München hatte sich allerdings im zeitlichen Umfeld des Volksfestes ein besonders starker Anstieg gezeigt.

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Aktuell hat München die vierthöchste Inzidenz in Bayern. Am Tag vor Beginn des Oktoberfestes lag es auf Platz 74 unter den 96 bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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